Von Hans Schueler

Bundesverteidigungsminister Georg Leber entschuldigte sich jüngst brieflich beim Oberbefehlshaber der US-Landstreitkräfte in Heidelberg für abfällige Bemerkungen, die ein südhessischer Parteigenosse und Landrat über die Stationierungsstreitmacht hatte fallenlassen: Der Sozialdemokrat müsse eigentlich wissen, daß Entspannungsbemühungen noch keine Entspannung seien und "alles, was geeignet ist, die Anwesenheit amerikanischer Truppen in Frage zu stellen, auch diese Entspannungsbemühungen stören muß".

Leber und die übrigen Führer der Sozialdemokratie werden vorerst keine Zeit mehr finden, sich solcher Querelen aus der Provinz anzunehmen. Fünf Wochen vor ihrem Parteitag in Hannover sieht sich die SPD einer antiamerikanischen Grundwelle aus den eigenen Reihen gegenüber, die, wenn sie weiterrollt, ihr außenpolitisches und sicherheitspolitisches Konzept in Frage stellt.