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Heidelberg Bis zum 25. März, Galerie Rothe: "Claudia Kinast"

Die Arbeiten von Claudia Kinast waren zuerst, vor drei Jahren, beim Deutschen Künstlerbund zu sehen, Arbeiten, die sich entschieden aus dem mittleren Milieu herausheben, nicht nur durch eine ungewöhnliche Farbkultur, mit der die Skala von Braun- oder Grauwerten abgestuft und nuanciert wird, sondern mehr noch durch eine seltsame Optik, die man als introvers bezeichnen könnte. Empfindungen, nicht Impressionen werden visualisiert, "Zwei Empfindungen von Weite" beispielsweise, Empfindung als räumliche Qualität, auf Raum bezogen, von ihm motiviert. Man hat diese frappierenden, raumdurchlässigen und raumempfindlichen Gebilde ganz unterschiedlich interpretiert, als "neue Landschaft", obgleich Claudia Kinast gewiß keine Naturlyrik macht (die schimmernden, lichtgefilterten Oberflächen wollen weder dämmernde Horizonte noch Sonnenuntergänge assoziieren) oder als neue Abstraktion, weil das Gegenständliche nur als undeutbarer Schatten von etwas vorhanden ist, oder sogar als neue Romantik. Es ist nicht unzulässig, Novalis zu zitieren: eines der Heidelberger Bilder heißt "Gedanke an Friedrich von Hardenberg". Hardenberg-Novalis könnte sie zu ihrer Arbeit inspiriert haben, zu ihrer ebenso naiven wie geistvollen Methode, nicht nur Räumlichkeit herzustellen, sondern im Bildraum den natürlichen und den künstlichen Raum zusammenzubringen. Sie arbeitet auf zwei Ebenen, auf der Leinwand und einer davor gespannten grob- oder feinmaschigen Gazeschicht. Beide werden farbig behandelt, gemalt oder gespritzt, aufgehellt oder abgedunkelt. Der Rahmen verklammert die beiden Ebenen zum realen Raumbild, in dem sich räumliche Erfahrungen und Empfindungen von Weite, Begrenzung, Widerstand, Durchdringung konkretisieren. "Je eigentümlicher, je abstrakter, könnte man sagen, die Vorstellung, Bezeichnung, Nachbildung ist, je unähnlicher dem Gegenstande, dem Reize, desto unabhängiger, selbständiger ist der Sinn" (Fragmente 648).