Von Hans Otto Eglau

Ein Fremder würde nie erraten, was hinter der spät-wilhelminischen Fassade des Hauses Königstraße 84 in Neuss gespielt wird. Erst wenn er die schmalen Stufen zur Tür des unansehnlichen Gebäudes hinaufginge, würde er stutzig werden: Auf einem weiß emaillierten alten Namensschild steht, klein und an versteckter Stelle, "Wilh. Werhahn".

Hinter den Mauern kleinbürgerlicher Wohnkultur verwaltet eine der reichsten Familien der Bundesrepublik ihren umfangreichen Industriebesitz. Die mit der Familie Adenauer und – weitläufig – auch mit dem Kardinal Frings aus Köln verwandte Sippe hat nahezu mit allem zu tun, was im täglichen Leben eine Rolle spielt: Sie produziert Öle und Fette, mahlt Mehl und braut Bier, betreibt Lebensmittel-Supermärkte, stellt Schneidwaren her, handelt mit Brennstoffen, bietet Versicherungspolicen an und betreibt alle Arten von Bankgeschäften.