Karl Gerold hat im Nachkriegsdeutschland Zeitungsgeschichte gemacht. Der eigenwillige und oft eigensinnige Herausgeber, Verleger und Chefredakteur der Frankfurter Rundschau war der dienstälteste Lizenzträger der ehemaligen amerikanischen Besatzungszone. Gerold starb im Alter von 67 Jahren. Bis kurz vor seinem Tod leitete er die Redaktion des engagiert linksliberalen Blattes.

Vom stürmischen Geist der guten Vorsätze im Jahre 1945 ist er nie ganz losgekommen. Polternde Leitartikel, aus der Position eines kämpferischen Antifaschismus geschrieben, irritierten Freunde, Feinde und selbst Mitredakteure. Doch Gerold verstand sich nie zu einem Stil des "sowohl als auch". Er focht mit einer oft ans Irrationale grenzenden Leidenschaft und mit kruden Formulierungen für die unverlierbaren moralischen Maximen einer humanen, demokratischen Gesellschaft und für radikale tagespolitische Forderungen. Die Mächtigen schonte er nicht, am wenigsten den "bergigen, bayerischen Strauß". Mit Zustimmung zunächst, später mit zunehmender Verwirrung sah er die Apo. Spannungen in der Redaktion blieben daraufhin nicht aus.