Alice ist ein Maßstab, "Alice im Wunderland", geboren 1864. Amerikanische Krimis nehmen das Muster der Verfremdung auf ("Alice im Niggerland"), Londoner Warenhäuser zeigen zu Weihnachten in allen zwanzig oder dreißig Schaufenstern Alice-Szenen, in englischen Literaturgeschichten wird "Alice’s Adventures in Wonderland" als "greatest of all English stories for children" bezeichnet, der französische Regisseur René Clement benutzte Szenen und Helden der Alice mit einer Selbstverständlichkeit in seinem neuesten Film "Treibjagd", die darauf schließen läßt, daß er diese "Phantasiegeschöpfe zwischen Traum und Tod, Phantasie und Gewalt" für allbekannt halten kann – in Frankreich. Die englische Umgangssprache ist mehr mit Alice-Zitaten durchsetzt, als sie selbst denen bewußt ist, die sie benutzen, und es vergeht kein Tag, an dem nicht Alicens Art, Sprache dadurch ad absurdum zu führen, daß man sie wortwörtlich benutzt, in englischen Gerichten, Unterhausdebatten und Zeitungsartikeln geübt würde. Kleid und Haartracht der kleinen Alice – der klassische Typ der viktorianischen Mode – tauchen immer einmal wieder als letzter Schrei auf, für jeden deutschen Übersetzer ist die Alice eine Herausforderung, und als Paul Hühnerfeld eine der ersten Nachkriegsübersetzungen im Rahmen der Kid-Reihe (Weltliteratur für die Jugend) herausgab, fragte er im Vorwort: "Hatten auch sie (die Tausende Kinder und Erwachsenen, die Alice seit dem Erscheinungsjahr 1871 gelesen hatten) empfunden, was Dodgson empfand, daß Logik und Vernunft nicht das ganze Leben ausmachen können?"