Von Carl-Christian Kaiser

Santiago de Chile, im Februar

Bei der Autotour über die Anden hielt unser Fahrer im letzten größeren argentinischen Ort vor der chilenischen Grenze und zog einen Einkaufszettel hervor, den ihm seine Frau zugesteckt hatte. Darauf stand unter anderem: mindestens fünf Liter Speiseöl, fünf Kilogramm Zucker oder mehr, drei Kilogramm Mehl, Puddingpulver, Tee in Beuteln, Zahnpasta. Er wußte, warum er vor der Grenze einkaufte. In Santiago de Chile stehen vor Lebensmittelläden oder Zigarettenkiosken jene Schlangen, die der Opposition im Lande wie Kritikern und Schadenfrohen jenseits der Grenzen als Symbol für das Scheitern der Volksfront-Politik und ihres marxistischen Präsidenten Salvador Allende gelten. Die Erwartung, daß die Regierung zumindest kurz vor den Wahlen am kommenden Sonntag, bei denen es um die 150 Mandate der Abgeordnetenkammer und die Hälfte der 50 Senatssitze geht, für ein etwas reichhaltigeres Warenangebot sorgen würde, hat sich nicht erfüllt.