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Ausgabe Nr. 10/1973

Feuilleton

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DIE ZEIT

Rückfall ins Fettnäpfchen

Die Bundesregierung hat sich mit Aplomb ins Fettnäpfchen gesetzt. Nach Protesten aus Berlin, unter dem Druck der öffentlichen Meinung, auf Drängen der Opposition und nicht ohne ingrimmige Nachhilfe aus den Regierungsfraktionen hat sie ihren Beschluß widerrufen, wonach vom 1.

Feier der Erniedrigung

Cierna nad Tisou, Schwarzau an der Theiß, erlebte seinen kurzen welthistorischen Moment im Sommer 1968, als die Führer des Prager Reformkommunismus sich dort mit den Herrn des Kremls trafen.

Nach Noten

Ein Programm nach Noten ist für den Besuch von Edward Heath in der Bundesrepublik vorbereitet worden. Gleich zweimal will der britische Premier auf deutschen Orgeln (im Eifel-Kloster Maria Laach und im bayerischen Kloster Ottobeuren) seine Fingerfertigkeit beweisen.

Wer zuerst schießt...

Israel hat Schuld auf sich geladen. Das einzugestehen mag selbstkritischen Israelis, von denen es genug gibt, weniger schwerfallen als ihren Freunden im Ausland, vor allem den Deutschen.

Worte der Woche

"Die europäische Sicherheit ist in der Tat eng mit der Sicherheit im Mittelmeer verbunden. Aber diese beiden Sicherheiten sind ebenso mit der im Südatlantik, im Indischen Ozean, in Lateinamerika, im südlichen Afrika und in Ostasien verbunden.

Zeitspiegel

Auf der Suche nach einem repräsentativen Platz für ihren Bevollmächtigten ist das Auge von DDR-Fahndern am Bonner Petersberg hängengeblieben.

Barzels Marsch in die Talsohle

Den langersehnten Urlaub vom Wahl- und Nachwahlkampf wird Hans Katzer nun doch nicht allein seiner Familie widmen können. Fernab von der organisierten rheinischen Fröhlichkeit in der Karnevalszeit muß er sich an der belgischen Küste Gedanken darüber machen, ob und – wenn ja – wie er das neue Amt eines Chefkoordinators zwischen der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und der CDU-Parteizentrale ausüben soll.

Kritik am Langzeitprogramm

Im Mittelpunkt mehrerer Landes- und Bezirksparteitage der Sozialdemokraten stand am Wochenende das Langzeitprogramm der SPD, das unter dem Titel "ökonomisch-politischer Orientierungsrahmen" Leitlinien der SPD-Politik bis 1985 festlegen.

Lokalzeit: Kein Maulkorb

Begonnen hatte es mit der Verabschiedung des neuen (und teureren) Flächenzonentarifes bei den Verkehrsbetrieben. Das vorläufige Ende ist ein gewaltiges Wortscharmützel zwischen der "sozial-liberalen Koalition" im Solinger Stadtrat und der Direktion der Stadtwerke.

Schwestern-Flucht mit Folgen

Noch Ende Januar verglich die Hannoversche Allgemeine Zeitung die neuerrichtete Medizinische Hochschule der niedersächsischen Landeshauptstadt mit Akademgorok, jener sowjetischen "Wissenschaftler-Oase": "Über die Funktionstüchtigkeit der Hochschule ist kein Wort mehr zu verlieren.

Vom Westwall nichts Neues

We gonna hanging our washing on the Siegfried-Line" sangen alliierte Soldaten während des Zweiten Weltkrieges. Sie meinten damit jene Festungslinie aus Beton und Eisen, die Adolf Hitler 1936 als westlichen Verteidigungswall zwischen Kehl und Aachen aus dem Boden stampfen ließ.

Das Buch der Revolutionen

Das Kommunistische Manifest ist eine der hinreißendsten politischen Kampfschriften der Weltgeschichte. Auftragsarbeit eines damals noch wenig bekannten deutschen Intellektuellen, bestellt von einem obskuren revolutionären Verein deutscher Arbeiter in London, hat es zwar auf die bürgerliche Revolution von 1848 kaum schon einen Einfluß ausüben können, ist aber seither in zahlreichen Revolutionen benutzt und zitiert worden.

Zeitmosaik

Auch die zweite Instanz, das Oberlandesgericht Stuttgart, hat dem Luchterhand-Verlag recht gegeben und damit bestätigt, daß er mit dem sowjetischen Schriftsteller Alexander Solschenizyn einen auch hierzulande rechtswirksamen Vertrag geschlossen und, damit das alleinige Recht erworben habe "zur Vornahme, Vervielfältigung und Verbreitung" einer deutschen Übersetzung des Romans "August 1914".

Filmtips

Im Fernsehen: "Fettklößchen" (UdSSR 1934) von Michail Romm (Bayern III 7. März). Romms erste eigene Arbeit ist eine exzellente Verfilmung der Novelle "Boule de suif" von Guy de Maupassant.

Kunstkalender

Die italienische Botschaft in Bonn hat die Ausstellung organisiert, die vom Rheinischem Landesmuseum nach Saarbrücken und Hannover weitergeht.

Schallplatten

Der deutsche Schlager sei gar nicht schlechter, meist besser als der ausländische? Jedes dieser fast durchweg angelsächsischen Lieder ist einfallsreicher erfunden, und ich wüßte auf Anhieb keine deutsche Schlagersängerin zu nennen, die es mit Dusty Springfield aufzunehmen vermöchte.

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