Von Eckardt Kleßmann

Der Schriftsteller und Politiker Benjamin Constant macht es denen, die sich mit seinem Leben und Werk befassen, ungemein schwer. Er gehört zu jenen Persönlichkeiten, die in uns weder Haß noch Bewunderung erregen, denen man aber genausowenig mit Verachtung oder Gleichgültigkeit begegnen kann. Es gibt viele Seiten in seinem Tagebuch, in denen sich ein wortreiches, in Selbstmitleid zerfließendes Lamento breitmacht, eine quallige Unentschlossenheit und Feigheit, die den Leser abstoßen. Es gibt Briefe von ihm, deren Tenor man als hündische Unterwürfigkeit bezeichnen möchte. Es gibt Seiten in seinen zwei Romanen, deren Sensibilität und aussparende Erzähltechnik zum Besten gehören, was die französische Literatur besitzt. Und es gibt Erkenntnisse in seinen politischen Schriften, deren Klarheit und Couragiertheit man ebenso bewundert, wie einen ihre Aktualität in Erstaunen setzt.