Ein Gespenst geht um unter deutschen Honoratioren: das Gespenst der Demokratisierung. Es mag in Apo-Zeiten mit den Studentenunruhen entstanden sein. Es gewann Konturen, als Willy Brandt 1969 in der Regierungserklärung ankündigte: "Wir wollen mehr Demokratie wagen." Seit dem 19. November 1972 droht Panik. Wo Panik auf der Lauer liegt, pflegen Argumente wenig mehr auszurichten. Daher verdient Helmut Schelsky Dank dafür, daß er jüngst ("Mehr Demokratie oder mehr Freiheit", Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20. Januar 1973) die herrschenden Ängste artikuliert und so, hoffentlich, einer Diskussion zugänglich gemacht hat.