Neu in Museen und Galerien

Hannover Bis zum 18. März, Kestner-Gesellschaft: "Asger Jörn"

Aktualität kann man ihm weiß Gott nicht vorwerfen. Aber ist das bereits ein Grund, Asger Jorn auszustellen? Die derzeitige Mode, mit der Nichtaktualität zu kokettieren, ist ebenso komisch wie die Jagd nach dem Aktuellen, die wir ziemlich lange mitzuerleben gezwungen waren. Ist Asger Jörn ein Vergessener oder Unterschätzter, der auf kunsthistorische Rehabilitierung Anspruch hat? Eher im Gegenteil. Man lese die Liste der Werke in öffentlichen Sammlungen, die Bibliographie, die Katalogbeiträge internationaler Museumsleute. Diese großangelegte, nach mehr als zwei Jahren Vorarbeit realisierte Retrospektive, die von der Kestner-Gesellschaft, der Berliner Nationalgalerie, dem Palais des Beaux Arts in Brüssel, den Museen in Aalborg und in Stockholm gemeinsam verantwortet wird, dokumentiert eindrucksvoll die Diskrepanz zwischen globaler Akklamation und künstlerischer Leistung. Dieses Werk vereinigt ungefähr alle negativen Momente, die dem Expressionismus, speziell in seiner nordischen Spielart (Jörn ist Skandinavier, in Dänemark geboren) angelastet werden: Maßlosigkeit, Barbarei, Gefühligkeit, Irrationalität, Mystagogie – aber leider ohne die expressiven Qualitäten, die das auszugleichen, zu kompensieren, grandios zu steigern in der Lage sind. Wer Jorn gesehen hat, wird nie wieder auch nur von fern an Nolde das Geringste zu bekritteln haben. Nolde ist ein großer Maler, ein Expressionist. Jorn ist in den Expressionismus wie in eine Falle hineingestolpert, nachdem er in Paris bei Léger gescheitert war. Was sich aus verwilderten Farbexplosionen figurativ an die Oberfläche drängt, sind keine halluzinativen Dämonen, sondern stümperhaft gemalte Fratzen. Am besten ist Asger Jörn noch da, wo er nicht malt, in seinen Papiercollagen, die er leider nur vorübergehend, in den Jahren 1968 bis 1969, gemacht hat.