Im Jahre 1939 war Georg Ferdinand Duckwitz durch einen Zufall in die Diplomatie geraten: weil Ribbentrop den Schiffahrtssachverständigen aus Bremen für die deutsche Gesandtschaft in Kopenhagen anforderte. Nach dem Kriege stieg er dann bis an die Spitze des Bonner Auswärtigen Amtes auf. Dazwischen lagen drei Jahrzehnte diplomatischer Tätigkeit, in denen der kühle Hanseat seiner Profession nachwirkende Maßstäbe menschlichen Anstands und klarsichtiger Überzeugungstreue gesetzt hat.

"Dieser Duckwitz ist einer der Männer, die einem den Glauben an Deutschlands Zukunft wiedergegeben haben", sagte der nachmalige dänische Ministerpräsident Hans Hedthoft einmal von ihm, der Mann, dem der Neununddreißigjährige im September 1943 anvertraute, die Deportation der dänischen Juden stehe unmittelbar bevor. Duckwitz war zuvor von Pontius zu Pilatus gelaufen, hatte sogar Hitler vorgetragen, um die Deportationsorder abzuwenden. Als alles nichts fruchtete, warnte er den dänischen Widerstand. Bei Nacht konnten 6500 Juden und 1376 Halbjuden über den Sund nach Schweden in Sicherheit gebracht werden.