Daß es nötig ist, die Jugend gegen den Einfluß unzüchtiger oder schamloser Schriften und Bilder zu schützen, darüber ist man sich in allen verantwortungsbewußten Kreisen einig. Nur über die Methode, wie dies geschehen soll, kann man verschiedener Meinung sein. Der Bundestag hat ein Gesetz angenommen über den Vertrieb jugendgefährdender Schriften, dessen Grundlagen im Bundesinnenministerium ausgearbeitet worden sind. Die Regierungsparteien stimmten für das Gesetz, die Sozialdemokraten waren ausnahmslos dagegen. Die Ablehnung der Opposition begründete die Abgeordnete Frau Keilhack (SPD). Sie erklärte, das Gesetz sei unklar, gefährlich und rechtlich unzulänglich. Schon der Paragraph 1 beweise dies. In ihm sei die Rede von "Schriften, die geeignet sind, Jugendliche sittlich zu gefährden". Wie eigentlich soll hier eine klare Abgrenzung vorgenommen werden? Sie zitierte hierzu aus einer Umfrage bei katholischen Geistlichen, Lehrern und Erziehern ein sehr interessantes Beispiel: "Die ästhetische Leistung eines Bühnen- oder Filmregisseurs, der ein den Katholiken heiliges Gut unter dem Gesichtswinkel eines materialistischen Genusses erfaßt, kann diesem rein materialistischen Regisseur Kunst im höchsten Sinne, dem Katholiken Schund und Schmutz sein."