Werden wir nun klüger werden? Die SPD wird ihrem Parteitag in Dortmund ihr wirtschaftspolitisches "Aktionsprogramm" vorlegen, das vor Wochen im Entwurf veröffentlicht worden ist. Es ist nicht anzunehmen, daß sich an den Thesen viel ändern wird. Vor einiger Zeit hat nun auch der Hamburger Wirtschaftssenator, Prof. Schiller, eine Schrift veröffentlicht: "Thesen zur praktischen Gestaltung unserer Wirtschaftspolitik aus sozialistischer Sicht." Diese Thesen sind die Quintessenz eines Vortrags, den er vor einiger Zeit in Königswinter gehalten hat. Sind wir nun klüger geworden, seitdem diese sozialistischen Programme veröffentlicht wurden? Ohne Zweifel: Opposition gegen die Freiburger Schule, Opposition gegen die Erhardsche Wirtschaftspolitik – anders konnte man bisher die Haltung der Sozialdemokraten nicht umreißen. Und Opposition allein befriedigt nicht. Mit ewigem Neinsagen, mit dauerndem Kritisieren, ohne eine echte Alternative aufzuzeigen, kommt man nicht weiter, kommt auch eine Partei nicht weiter, die ja selbst eines Tages regieren möchte, folglich erklären muß, wie sie regieren will. Jetzt zeigen sich Andeutungen. Im "Aktionsprogramm" wird zwar das Wort Marx nicht mehr verwendet, marxistische Rudimente aber kann man nicht verbergen. Demgegenüber ist Schiller in seiner Schrift weitaus offener. Für ihn nämlich ist Marx gedanklich tot. Soweit bei ihm noch Anklänge an den alten Marxismus auftreten, sind sie doch so verselbständigt, daß es falsch wäre, dem klugen Theoretiker Schiller eine versteckte Liebe für Marx zu unterstellen.