Seit mehr als zwanzig Jahren besitzen Sammler von Schallplatten das Lied "Parlez-moi d’mour" als wohlgehütete Konserve. Seit mehr als zwanzig Jahren bekommen Leute, die es kennen und nennen, einen schwelgerischen liebenswerten Zug im Gesicht. Und immer fällt dann der Name: Lucienne Boyer.

Nun steht sie wieder auf der Bühne in Deutschland (in Hamburg), die mit diesem Lied eine berühmte Diseuse wurde. Mit Grazie kommt sie herein und ist da – ganz da. Sie singt ihre Lieder, und in der Stimme klingt die betörende Sinnlichkeit von einst. Sie macht ein paar zärtliche oder traurige Bewegungen und bevölkert, ganz allein im weiten Raum, die Bühne und die Luft darüber mit ihren lustigen, liebenden, treuen und untreuen, glücklichen und unglücklichen Gestalten aus ihrem Pariser Quartier, mit Liebhabern und Dirnen, Sentimentalen und Lebensverächtern und Einsamen, und einige Male singt sie hierhin und dorthin direkt ins Parkett.