Gegen Ende der Weimarer Republik, als die Soziologie die Wissenschaft der Zukunft schien, hat einer der klügsten ihrer deutschen Repräsentanten das Wort von der "freischwebenden Intelligenzschicht" erfunden, das bald vom allgemeinen Sprachgebrauch übernommen wurde. Es sollte besagen, daß die Angehörigen der geistigen Berufe, und ganz besonders die Wissenschaftler, die Künstler und die Publizisten, in ihrem Denken nicht klassengebunden sind wie einerseits die Unternehmer, Grundbesitzer, Offiziere, Beamten und Handwerker, andererseits die Arbeiter, sondern jederzeit zwischen den Klassen optieren können – frei in ihren Entscheidungen für diese oder jene politische Richtung, frei auch, sich jeder politischen Entscheidung ganz zu enthalten und nur ihrer Forschung, ihrem Werk zu leben.