Lesezeichen
© ZEIT ONLINE

Ausgabe Nr. 39/1952

DIE ZEIT

Jo-Hos Porträt

Die New York Herald Tribune fügte ihrer letzten Sonnabend-Ausgabe eine umfangreiche Saarbeilage an, die unter zahlreichen Artikeln auch ein Porträt des Saar-Ministerpräsidenten Johannes Hoffmann (Jo-Ho.

PEP-unwürdig

Die Hilfsstellung für Tito wächst sich gelegentlich zu einem moralischen "appeasement" aus. Wie im zweiten Weltkrieg gegenüber den Russen läßt sich auch hier eine fatale Neigung der demokratischen Staatsmänner feststellen, das Nützliche nicht nur für nützlich, sondern auch für liebenswert zu halten.

Schmutz und Schund

Daß es nötig ist, die Jugend gegen den Einfluß unzüchtiger oder schamloser Schriften und Bilder zu schützen, darüber ist man sich in allen verantwortungsbewußten Kreisen einig.

Teurer Spaß

Während bei den Manövern in Westdeutschland dem Vernehmen nach eine erfreuliche Zusammenarbeit zwischen alliierten Abteilungen und der verkehrsregelnden deutschen Bereitschaftspolizei stattfindet, wird in Niedersachsen den Jägern ein Waffenschein für Jagdflinten ausgehändigt, auf dem warnend der Artikel 7 des Gesetzes Nummer 24 der alliierten Oberkommission zitiert wird: "Im Falle eines mit Überlegung vorgenommenen Versuchs der Wiederaufrüstung kann auf Freiheitsstrafe, für die kein Höchstmaß besteht, unter Einschluß lebenslänglicher Freiheitsstrafe und auf Geldstrafe bis zu einer Million DM erkannt werden.

Die überdrehte Steuerschraube

Wer über die Einkommensteuertabelle reden will, muß vorher alle Neidgefühle über Bord werfen. Denn alle Ideologien, die auf der Grundlage des – oft gedachten und stets verschwiegenen Satzes "Wenn ich nur 503 Mark" verdiene, dann braucht ein anderer nicht 3000 zu haben" in Steuerdebatten vorgebracht werden, sind allzu verlogen, als daß sie Nutzen bringen könnten.

Tagebuch der Zeit: England läßt sich lange bitten...

Die Verhandlungen im Straßburger Europahaus erreichten ihren Höhepunkt, als innerhalb von drei Tagen im Plenarsaal hintereinander die Schlußsitzung der "Gemeinsamen Versammlung der Montan-Union", die konstituierende Sitzung der "Sonderversammlung" (Assemblée ad hoc) – die an Stelle der noch nicht bestehenden "Versammlung der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft" Vorarbeiten für eine europäische Verfassung und eine europäische Politische Behörde durchführen soll – und die Eröffnungssitzung der zweiten diesjährigen Tagungsperiode der "Beratenden Versammlung des Europarates" stattfanden.

ZEITSPIEGEL

Ein Sprecher des japanischen Außenministeriums erklärte zu dem zwischen der Sowjetunion und der Chinesischen Volksrepublik in Moskau getroffenen Abkommen, wonach russische Streitkräfte solange in Port Arthur bleiben werden, bis beide Staaten Friedensverträge mit Japan geschlossen haben: "Wir haben uns niemals geweigert, einen Vertrag mit Rußland zu unterzeichnen, weil Rußland uns niemals aufgefordert hat, einen solchen zu unterschreiben.

André Marty

Die Zahl der Menschen ist nicht mehr groß, die schon seit der Oktoberrevolution im Lager des Weltkommunismus stehen. Unter ihnen sind solche, deren Rolle in der Revolutionszeit nachträglich vergrößert oder verkleinert wurde, wie Stalin oder Karl Radek, solche, die in die "Verräter"-Rubrik eingereiht wurden wie Ruth Fischer und Tito und schließlich solche, denen erst in unseren Tagen der Prozeß gemacht wird wie Anna Pauker.

Wie der Westen lebt und leben will

Hundertzweitausend waren es am Abend des zweiten Tages, und 65 000 von ihnen waren von "drüben" gekommen, aus Pankow und Weißensee, aber auch aus Leipzig und Halle, um wenigstens schauend Anteil an dem zu haben, was am Berliner Funkturm in elf großen Hallen als "Lebensstandard der freien Welt" zu sehen ist.

18 Minuten West-Ost-Unterhaltung

Der Bundestagspräsident hatte sich bekanntlich für den Empfang, aber gegen ein Gespräch entschieden. Den Besuch überhaupt abzulehnen, hielt er schon wegen des propagandistischen Mißbrauchs, der mit einer solchen Ablehnung getrieben worden wäre, für verfehlt.

Hold fast – Halt fest

Wer in den schon sehr herbstlichen Tagen der letzten Woche im Auto durch die Bundesrepublik fuhr, stieß oft auf militärische Fahrzeuge, abgesperrte Straßen, auf Schilder mit Symbolen und Zahlen.

Ich – myself – moi meme

An Ausstellungen von Kinderzeichnungen in aller Art und Welt ist heute gewiß kein Mangel. Und insofern ist diese Münchener Darbietung der Internationalen Jugend-Bibliothek kein neues, auffälliges Ereignis.

Der Kommandant ist ein Feigling

"Ein Buch, das da anfängt, wo die Kriegsbücher aufhören" – so schrieb ein amerikanischer Kritiker über Herman Wouks "The Caine Mutiny", das jetzt unter dem deutschen Titel "Die ‚Caine‘ war ihr Schicksal", übersetzt von Christoph Ecke, im Wolfgang Krüger Verlag, Hamburg, erscheint.

Das Wissen um das Wo

Der Deutsche Industrie und Handelstag hat vor kurzem (gemeinsam mit dem Gesamtverband des Deutschen Groß- und Außenhandels) durch das Institut "Finanzen und Steuern" einen Gesetzentwurf ausarbeiten lassen, der auf die steuerliche Förderung der produktiven Leistung abzielt.

Denkbar unsozial: Inflation als Ausweg

Auf der 7. Jahresversammlung des Währungsfonds (IMF) und der Weltbank in Mexiko City sind – mit bemerkenswerter rhetorischer Bravour und kristallklaren Argumenten – so prächtige Früchte "vom Baume der Erkenntnis (der Ursachen weitverbreiteter Zahlungsbilanzstörungen und währungspolitischer Gefahren) gepflückt wurden, daß die ob böser Erfahrungen in der Vergangenheit und ~~~ischer ökonomischer Konstellationen in der Gegenwart ängstlich gewordene Menschheit allgemein neue Hoffnung auf die Vermeidbarkeit neuer Katastrophen schöpfen darf.

Nur bei den großen Posten ist zu sparen

Aber wie gesagt, das sind Erscheinungen "am Rande". Grundsätzlich wichtig hingegen ist die folgende Erkenntnis: Wer ernstlich bei den öffentlichen Aufwendungen sparen will, muß sich an die großen Posten halten, und hier nun wieder an solche, die nicht (wie etwa die Ausgaben für den Wehrbeitrag) durch zwischenstaatliche Verträge "gebunden" und damit "fixe" Kosten geworden sind.

Eine historische VDE-Tagung

Vor 70 Jahren fand in München ein Ereignis statt, das die Elektrotechnik revolutionierte. Nach dem Vorschlag des Franzosen Marcel Deprez wagte Oskar von Miller den ersten Versuch einer Hochspannungs – Kraftübertragung Das erfolgreiche Ergebnis des auf der Strecke Miesbach-München durchgeführten Experimentes war eine Sensation.

Brauer wehren sich

Der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe, möchte man zitieren, wenn man erfährt, daß sich der deutsche Brauerbund an das Ernährungsministerium zur Bereitstellung von Mitteln für den Import amerikanischen Hopfens gewandt hat.

Der Wettlauf an der Schallgrenze

Noch immer stellen sich die Leute im Westend von London vor dem Kino an, in dem der Film "Die Schallgrenze" gezeigt wird. Wieder gezeigt wird, denn die Flugschau von Farnborough mit ihrer tödlichen Katastrophe, bei der ein Düsenjäger über der Zuschauermenge zerplatzte, hat dem Film einen neuen und schauerlichen Sensationswert verliehen.

Lucienne dramatisch

Seit mehr als zwanzig Jahren besitzen Sammler von Schallplatten das Lied "Parlez-moi d’mour" als wohlgehütete Konserve. Seit mehr als zwanzig Jahren bekommen Leute, die es kennen und nennen, einen schwelgerischen liebenswerten Zug im Gesicht.

Nebenan rollt die Kugel

Pravernünde ist nicht berühmt geworden durch Tagungen und auch nicht dadurch, daß es seit eh und je der "Freien und Hansestadt Lübeck" zugehörte. Travemündes Ruhm ist einer Chronik aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts zu entnehmen.

Hecht im Karpfenteich

Der Wiener Alois Melichar ist dem großen Publikum vor allem als Komponist zahlreicher Filmmusiken bekannt geworden. Daß er auch jenseits dieser Domäne etwas zu sagen hat, kann man an Hand dieses Buches erfahren, das eine Sammlung verstreut erschienener Aufsätze und rednerischer Äußerungen enthält.

Das Martyrium der Simone Weil

"Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Hierin liegt der wahrhaftige Beweis von der Göttlichkeit des Christentums", und an anderer Stelle: "Wenn ich an die Kreuzigung denke, begehe ich jedesmal die Sünde des Neides" – das sind grell zugespitzte Gedanken, wie man sie kaum von einem weiblichen und noch dazu recht jugendlichen Kopf erwarten würde.

Die Jagd nach Liebe

Horst Lange hat seinem ersten Roman seit 1940 eine ungewöhnliche Bemerkung vorangeschickt: "Die Personen", sagt er, "stellen weder photographische noch sonst welche Porträts dar.

Der nackte Leib

Die Aktzeichnung bedeutet für viele Laien den Inbegriff dessen, was dem Beruf des bildenden Künstlers das Glänzende zugleich wie das Anrüchige verleiht, einen Anhauch der Boheme, einer Freiheit, die über die bürgerliche Ordnung hinausreicht.

+ Weitere Artikel anzeigen