Kolumbiens Hauptstadt Bogotá war vor kurzem wieder der Schauplatz für den Ausbruch eines wilden Hasses zwischen den Anhängern der beiden führenden Parteien, der Konservativen und der Liberalen. Durch Brandstiftung wurden Gebäude und Einrichtungen der beiden größten liberalen Zeitungen, des Hauses der liberalen Partei und der Villen von zwei prominenten liberalen Führern zerstört. Anlaß zu diesen Gewalttaten war die Beisetzung von fünf Polizeibeamten, die in einem Feuergefecht mit liberalen Parteigängern gefallen waren. Schon einmal hatte zügellose politische Leidenschaft in Bogotá zu Mord, Aufruhr und Brandstiftung geführt.Das war am 9. April 1948, jenem "schwarzen Freitag", als der von den Massen verehrte Führer des linken Flügels der Liberalen, der Rechtsanwalt Dr. Jorge Eliécer Gaitán, vor seinem Hause in Bogotá erschossen wurde. Durch die Straßen der Hauptstadt tobte damals eine durch den Tod ihres Führers auf das äußerste erregte Masse, die mit dem Ruf: "Nieder mit den Konservativen!" öffentliche Gebäude, darunter den Palast des Staatspräsidenten, niederbrannte, in das Parlamentsgebäude eindrang, in dem die Konferenz der amerikanischen Staaten unter dem Vorsitz des USA-Außenministers George C. Marshall tagte, und das Innere des Gebäudes verwüstete.