In Dichtung, Malerei und Musik wird heute soviel von "folkloristischen Einflüssen" geredet. Der bildungshungrige Zeitgenosse setzt sich also hin, hört faszinierende Tonfolgen von Messiaen oder rätselhaft schöne Verse Ezra Pounds, und dann sagt er sich: "Das also ist indisch... Darin also steckt Afrika..." Damit er sich mehr sagen und denken kann, brachte der SWF ein Nachtstudio: in ihm war nicht von Einflüssen die Rede, sondern von dem, was diese Einflüsse ausübt – von Weltbild und Dichtung der Neger Afrikas. Joachim Ernst Berendt hatte einen kenntnisreichen Vortrag darüber geschrieben, abwechselnde, gute Sprecher trugen zeichendurch seine Gedichtbeispiele vor, eine (leider nur eine) Aufnahme afrikanisch-katholischer Kirchenmusik war eingeblendet – der Funk hat doch die besten Möglichkeiten, solche Themen zu behandeln. Eine Weit der magischen Beschwörung tat sich auf; alles wird dort beschworen, ob es Schlangen oder gar die Gipfel des Kilimandscharo sind: "O Kibo, Salzlast trog mich... Kommst du nicht, so sterb" ich." Eine Welt, in der alles nur Rhythmus ist, Tanz. "Bei Vollmond tanzt ganz Afrika", sagt Frobenius, "wirkliches Leben ohne Tanz ist unmöglich. " Und wir hörten den Rhythmus selbst: im Sanctus einer Negermesse, gesungen zum dumpfen Begleitschlag der Trommeln – monoton, dann ekstatisch... So etwas paßt zur Beschwörung, nie und nimmer zu unserer Rationalität. Die Einflüsse Afrikas werden unsere Kunst immer nur formal berühren, sie können bloß faszinierend, nicht aber magisch wirken. Das zeigte diese Sendung deutlich, und gerade das machte sie so aufschlußreich.