Vor zwanzig Jahren kam das Reich mit einem Steueraufkommen von etwa vier bis fünf Milliarden aus, heute braucht der Bund, der um ein Drittel weniger Einwohner hat, das Vierfache. Es hat keinen Sinn, darüber zu klagen. Das ist der moderne Staat. Eine ähnliche Entwicklung haben alle Länder durchgemacht, und sie wird, unter lebhaften Rufen nach Sparsamkeit, aller Wahrscheinlichkeit nach weitergehen.

Wie aber will der Staat diese stets wachsenden Beträge aufbringen? Dieses Problem war eine Zeitlang durch verschiedene Faktoren überdeckt. Die Wiederaufbaukonjunktur nach der Währungsreform sorgte für einen steilen Produktionsanstieg, für steigende Preise und Gewinne, für steigende Löhne und Gehälter, somit auch für ständig steigende Steuereingänge. Aber schon das Jahr 1952 zeigt deutliche Ermüdungsanzeichen. Es muß damit gerechnet werden, daß das Sozialprodukt nur mehr in einer normalen Progression wächst, die mit dem Ansteigen der staatlichen Geldbedürfnisse nicht mehr Schritt hält. Bei einer Umsatzsteuer von 4 v. H., die bei manchen Waren drei- und viermal bezahlt wird, bei einer Körperschaftsteuer von 60 v. H. und einer Einkommensteuer, deren Progression bis zu 80 v. H. reicht, sind wesentliche Steuererhöhungen undenkbar. Das weiß der Bundesfinanzminister sehr gut und hat es oft genug gesagt. Die letzte Möglichkeit, die Einnahmen der Staatskasse zu steigern, liegt daher in dem Versuch, die Steuergesetze präziser durchzuführen, das heißt einen erhöhten Grad von Steuerehrlichkeit zu erreichen. Tut man einen Blick in die Astronomie der Einkommensteuertabelle und einen zweiten ins Leben, dann sieht man, daß nicht alle Einkommen so versteuert sein können, wie das Gesetz es befahl. Die Steuertabelle läßt weder großen noch kleinen Luxus zu. Es gibt aber Luxus. Also stimmt hier etwas nicht.