Bittere Komödie – die dramatische Dichtung unserer Tage

"Jetzt", sagte 1945 der amerikanische Dramatiker Eugene O’Neill, "jetzt ist die Zeit für Komödien gekommen. Es werden sehr bittere Komödien sein."

Inzwischen ist der Sinn für das, was O’Neill meinte, wacher geworden: für das untragische, heftig ironische Spiel, in dem die Schlechten und die Mittelmäßigen über die Guten und die Großen triumphieren – ein Gleichnis, das vom Zuschauer aufgearbeitet werden muß. Thornton Wilders "Wir sind noch einmal davongekommen", ein eminentes Beispiel, wie so etwas aussehen kann, hat bei den Ruhrfestspielen Widerhall gefunden. Shakespeares durch und durch bittere Komödie "Troilus und Cressida", von Rudolf Alexander Schröder neu übersetzt, wird in Essen gespielt. Ein sehr gewagtes und in mehr als einer Hinsicht anstößiges Produkt dieser Gattung, des jungen Schweizers Friedrich Dürenmatt "Ehe des Herrn Mississippi", ist auf einer Reihe deutscher Bühnen (so nun auch in Hamburg) zu schen – und sogar ein sonst zaghaft umgangenes Drama von Franz Grillparzer, der "Bruderzwist in Habsburg", enthüllt bei der (überhaupt ersten!) Hamburger Aufführung seine geheimen Qualitäten als – nun ja, als bittere Komödie.