DIE ZEIT

Zur Vermögensfreigabe in der Schweiz

Von Günther von Berenberg-Goßler

Wie ist es entgegen der alten Tradition der Schweiz als sicherer Hort privaten Kapitals und rechtsstaatlicher Grundsätze zu der Beschlagnahme privaten deutschen Eigentums auf Schweizer Boden gekommen? Um das zu begreifen, muß man sich die Mentalität der Alliierten im Jahre 1944 vergegenwärtigen, die sich später, vor allem in den Nürnberger Prozessen, abreagiert hat. Im September 1944 hat der Morgenthau-Plan in Ziffer 5 als Restitutions- und Reparationsmaßnahmen neben der Abtretung deutscher Gebietsteile, der Demontage von Industrieanlagen und der Zwangsarbeit außerhalb Deutschlands die "Konfiskation aller deutschen Vermögenswerte, gleich welcher Art, im Ausland" vorgeschlagen. Diesen Anregungen hat im Oktober 1945 der Kontrollrat Nachdruck verschafft durch Erlaß des Gesetzes Nr. 5 über die Fortnahme des gesamten deutschen Auslandsvermögens, wobei es nicht ohne besonderen Reiz ist, daß in der Präambel diese Auslandswerte ausdrücklich als Teil des deutschen Kriegspotentials bezeichnet werden, das man zur Erhaltung des Weltfriedens ausrotten müsse.