Man hatte gehofft, daß mit dem Abschluß der deutsch-israelischen Verhandlungen das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte wenigstens einen gewissen Abschluß fände. Nicht, daß irgend jemand glauben konnte, mit einer materiellen Wiedergutmachung seien die Taten des Nazi-Regimes abgegolten, aber es schien die Möglichkeit zu einem neuen Anfang gegeben. An dieser Auffassung könnte man irre werden, nachdem die syrische Regierung der Bundesregierung ein Memorandum überreicht hat, aus dem hervorgeht, daß die sieben arabischen Staaten diese Wiedergutmachung als einen schweren Affront auffassen, der sie in ihrer Existenz bedroht. Es wird einmal mehr deutlich, daß es in der Politik nicht darum geht, zwischen Gut und Böse zu wählen, denn es mag sein, daß das, was dem einen Gerechtigkeit widerfahren läßt, dem anderen Unrecht zufügt. Der Irrtum der Araber liegt darin, daß sie nicht zu sehen vermögen, wie unsere Vergangenheit uns zwingt, Maßnahmen zu ergreifen, selbst wenn diese ihre eigenen gegenwärtigen Probleme und unsere Freundschaft zu ihnen belasten – denn es gibt keine isolierten Fragen und Entschlüsse in der Politik. Wir möchten aber nicht versäumen, den arabischen Staaten, die zu den aufrichtigsten Freunden Deutschlands gehören, die Möglichkeit zu geben, ihren Standpunkt in der Öffentlichkeit darzustellen, und bringen darum im folgenden einen Auszug aus jenem Memorandum, das von der Überlegung ausgeht, der neuentstandene Staat Israel sei nicht der Rechtsnachfolger der geschädigten Juden und er "könne darum auch nicht die Entschädigung in Anspruch nehmen, die allein den individuell Geschädigten zusteht.