Herbert Butterfield: Christentum und Geschichte (Aus dem Englischen von Dr. Sylvia Erdmann, Engelhornverlag Adolf Spemann, Stuttgart, 176 S., Leinen 9,80 DM.)

Im landläufigen Urteil der deutschen Gebildeten hat das englische Denken das Prädikat "nüchtern" bekommen, mit leicht abschätzigem Unterton. Nun soll gewiß nicht bestritten werden, daß Swift ein nüchternerer Autor ist als Klopstock oder Jean Paul und daß es in den Schriften Bertrand Russells nüchterner zugeht als in denen von Martin Heidegger. Aber es ist nicht einzusehen, inwieweit Nüchternheit eines Denkers den Ergebnissen seines Denkens nachteilig sein soll. Schwung und Emphase sind nicht unbedingt förderlich, wenn es sich um Bewältigung verwickelter Fragen handelt, und ein mächtiger Prophetenton kann wohl faszinieren, aber auch verblenden.