Ich habe Isadora Duncan nie tanzen gesehen und habe doch um ihretwillen in mancher Diskussion heftig mitgestritten, wenn einer aus der eifernden Runde die Duncan als Bahnbrecherin des Neuen Tanzes pries und der Widerpart Bietende ihr eine verhängnisvolle Aufweichung vorwarf, eine Konfusion in allen den Tanz betreffenden Fragen, die "von dieser konfusen Amerikanerin" ausgegangen sei. "Barfußlatscherin" spottete der eine, als "Göttliche Isadora" verehrte sie der andere.

Jetzt, da fünfundzwanzig Jahre seit dem Tode der Vielbejubelten und gleichermaßen heftig Gelästerten vergangen sind (am 14. September 1927 fand sie ein ebenso bizarres Ende, wie ihr ganzes siebenundvierzig Jahre währendes Leben extrem individualistisch war: bei einer Autofahrt geriet ihr Schleierschal ins Hinterrad und erdrosselte sie) – und da seit dem ersten Hervortreten im Lande ihres nachhaltigsten Erfolges, in Deutschland nämlich, ein halbes Jahrhundert verstrichen ist, jetzt sollte man abzuwägen imstande sein, ob die Duncan mehr als bloß einen Wellenschlag verursacht hat.