Von Walter Fredericia

Konstanz, im SeptemberDreihundert Meter vom Konstanzer Fährehafen steht eine Tafel: "Zum Zeltlager". Auf der schmalen Zufahrt geht es lebhaft her. Schon am frühen Morgen donnern die Motorräder hinauf nach Allmannsdorf, sausen Radfahrer in großem Tempo den Berg hinunter zum Lager. Vor einigen Jahren war es hier draußen, abgesehen von der Hauptverkehrsstraße, die zur Bodenseefähre führt, noch still und friedlich. Jetzt ist der Teufel los. Der Verkehr hat diesen kleinen Vorort von Konstanz überwältigt. Es ist ein Verkehr neuer Art, und er spiegelt den großen soziologischen Umschichtungsprozeß wider, der nach dem Kriege eingesetzt hat. In Konstanz kann man diesen neuen Verkehr vorzüglich studieren. Denn die Konstanzer Bodenseefähre, die vielleicht ein Drittel aller Straßenfahrzeuge in die Stadt bringt, liefert jeden Tag eine genaue Verkehrsstatistik. Zudem hat Konstanz kein Hinterland, auf das sich der Verkehr verteilen könnte. Wer kommt, bleibt hier oder fährt in die Schweiz, denn die Stadt ist vom See und von der Schweizer Grenze umschlossen. Wer aber in die Schweiz fährt, wird an den beiden Grenzübergängen ebenso von der Statistik gefaßt wie vorher auf der Fähre. Der Verkehr über die Schweizer Grenze hat neuerdings einen erstaunlichen Umfang erreicht. Im Juli wurden auf den Konstanzer Übergängen täglich im Durchschnitt nicht weniger als 5500 Kraftfahrzeuge und 30 000 Personen abgefertigt, wovon allerdings 25 000 auf den "kleinen Grenzverkehr" der Konstanzer und der Bodenseebevölkerung entfallen. Die anderen 5000 fahren mit Pässen und meist mit Autos. Man staunt, daß die Zollämter diese tägliche Völkerwanderung, die im August an einzelnen Tagen noch weiter anschwoll, bewältigen können.