FünfAbgeordnete aus der Volkskammer der Sowjetzone wollen nach Bonn fahren, um dem Präsidium des Bundestages ein Schreiben zu überreichen, das neue Vorschläge für eine gesamtdeutsche Verständigung enthalten soll. In Bonn hat man sich zunächst recht ablehnend geäußert. Man werde mit solchen Strolchen nicht verhandeln, die nicht einmal frei gewählt seien und die systematisch Menschenraub betrieben, wie der Fall Linse gerade gezeigt habe.

Man wird heute in Deutschland leicht mißverstanden, wenn man in einem Falle, der die Sowjetzone; betrifft, anderer Meinung ist als Bonner Kreise. Aber das darf man doch wohl erwähnen, daß zum mindesten der Versuch gemacht werden sollte, die Einreise zu genehmigen und daran die Bedingung zu knüpfen, daß die Abgeordneten den entführten Dr. Linse mitbringen, um auf diese Weise den unglücklichen Mann zu befreien. Es spricht vieles dafür, daß die Pankower Regierung darauf: eingehen würde. Vielleicht darf man auch an das erinnern, was der amerikanische General, der die Verhandlungen in Panmunjon führt, kürzlich über den Nutzen von Verhandlungen mit den Kommunisten gesagt hat: er glaube, man werde mit der Zeit doch wohl zu einem Ergebnis kommen. Man dürfe nur nie vergessen, daß man es mit Verbrechern zu tun habe und daß alles, was sie vorbrächten, Lügen seien. Und da möchten wir hinzufügen: authentische Lügen sind besser als gar keine Informationen.