Der sowjetrussische Gesandte in Israel, Pavel Iwanowitsch Yerschow, ist ein frommer Mann. Das beweist er durch seine regelmäßigen Besuche der Gottesdienste in der russisch-orthodoxen Kirche in Jerusalem, an denen auch das Gesandtschaftspersonal teilnimmt.

Die Tatsache, daß ein sowjetischer Missionschef ein eifriger Kirchgänger ist, ohne von seinem Posten abberufen zu werden, läßt darauf schließen, daß er von Moskau angewiesen worden ist, so zu handeln. Wenn aber der Kreml derartige Weisungen erteilt, dann geschieht dies aus politischen Gründen. Das Ziel, auf das man hinsteuert, läßt sich aus der Aktivität, die die "Russische Palästina-Gesellschaft" neuerdings entfaltet, leicht erkennen. Diese Gesellschaft, die in der Zarenzeit gegründet und vom russischen Staat subventioniert wurde, hatte im Laufe der Jahrzehnte in Palästina großen Landbesitz erworben, Klöster erbaut und Gast- und Unterkunftsstätten für Pilger errichtet. Ihr kirchenpolitisches Ziel war, den russischen Einfluß in der griechischorthodoxen Kirche in Palästina so zu vergrößern, daß eines Tages nicht mehr ein griechischer, sondern ein russischer Geistlicher Patriarch von Jerusalem sein würde. Dieses Ziel wurde jedoch bis zum ersten Weltkrieg nicht erreicht. Danach aber interessierten sich die bolschewistischen Machthaber nicht für diese Frage.