Von Martin Rabe

Amsterdam, im September.Unter dem Titel "Echt oder falsch" hat das Städtische Museum zu Amsterdam eine Ausstellung veranstaltet, die höchst amüsant und lehrreich ist, zugleich aber auch nachdenklich stimmt. Hier werden Fälschungen von Kunstwerken ausgestellt und mit echten Arbeiten konfrontiert, und dies geschieht auf eine genau überlegte Weise, indem nämlich eine Reihe verschiedener Arten handwerklicher Künste und Kniffe des Fälschens an Beispielen demonstriert werden, zugleich aber auch die Methoden, durch die man sie entdecken kann. Die Veranstalter dieser Ausstellung haben ein ganzes System entwickelt, mit dem man Fälschungen zu entlarven vermag. Und sie nennen diese neue Wissenschaft: Piktologie. Eigentlich müßte man fürchten, daß die Bekanntgabe dieser neuen Methode auch die Kunst des Fälschens verfeinern werde, da die Merkmale, an denen man die unechten Kunstwerke erkennen kann, in klarer Übersicht aufgeführt werden. Glücklicherweise aber beweist die ganze Untersuchung, daß es einem Fälscher nie möglich sein wird, einen Meister so täuschend nachzuahmen, daß echt und falsch nicht zu unterscheiden wären. Das klingt erstaunlich, denn in den letzten Jahrzehnten haben wir eigentlich einen Fälscherskandal nach dem anderen erlebt. Da war zunächst Dossena, ein begabter italienischer Bildhauer, der nicht darauf ausging, bestimmte Künstler nachzuahmen, sondern nur allgemein den Stil der toskanischen und sienesischen Schule des 14. und 15. Jahrhunderts, und der es den Kunsthistorikern überließ, seine Werke bestimmten Meistern oder Schulen zuzuschreiben. Damit hatte er einen unerwarteten Erfolg. In eine pseudo-sienesische Plastik hatte er in den Ornamenten des Rocksaumes ein Monogramm S. M. verborgen. Und da fand sich denn ein eifriger Jünger der Wissenschaft, der eine Arbeit schrieb über "Simone Martini als Bildhauer" und dem Maler gleich. eine Reihe echter Plastiken zuschrieb, deren Verfasser man bis dahin nicht kannte. Als der Skandal aufflog, durch Dossena selbst nämlich, der sich mit seinem römischen Auftraggeber erzürnte, hatten – mit Ausnahme von Wilhelm von Bode – eigentlich alle Leiter großer Museen Plastiken von Dossena als Originalwerke des 14. und 15. Jahrhunderts erworben. Die Direktoren des Victoria and Albert-Museums in Kensington waren so nobel, ihre Erwerbungen in der Abteilung italienischer Frührenaissance stehenzulassen, zwischen den Ro;sellino, Majano und Desiderio da Settignano, und unter die Fälschung den Namen des Verfertigers zu setzen: Alceo Dossena.