Um gleich mitten hineinzureiten: dieses ist eine Herzattacke. Der Willy-Birgel-Film mit dem unvergänglichen, unumgänglichen Titel "Reitet für Deutschland" ist ja nun auch vor kurzem von der Selbstkontrolle des deutschen Films zur Wiederaufführung freigegeben worden. Unter den Filmen für die nächste Saison 1952/53 sind wieder eine ganze Reihe, die leichtsinnig das Herz im Titel tragen wie etwa "Mein Herz darfst du nicht fragen", "Mein Herz gehört dir" ... und tatsächlich, da ist auch wieder neu verfilmt "Ich hab’ mein Herz in Heidelberg verloren". Er gehört zu jener Gruppe der Liedanfänge-Titel neuer deutscher Filme, die mit "Grün ist die Heide" so kitschig begann und zur "Volksliederitis des deutschen Films" 1952 ausartete. Mit "Tausend rote Rosen blüh’n", "Am Brunnen vor dem Tore", mit "Abend-" und "Heimatglocken" wurde die Serie der tränenfeuchten Herz-, Heimat- und Rührfilme fortgesetzt, die Schwarzwald, Rhein und Lüneburger Heide als Kulisse abnutzen. Und kein Seneca ist da, der dem durch künstliche Rührung echte Tränen vergießenden Publikum zuruft: "Weine nicht! Begreifst du nicht, daß deine Träne dich hindert die Sterne zu sehen!" Womöglich aber wäre jemand versucht an die Stelle des Wortes "Sterne" Filmstars zu setzen, dabei müßte es eigentlich abgewandelt heißen: "Begreifst du nicht, daß deine Träne dich hindert, die Absicht der Filmschöpfer zu erkennen" – denn sie verwirren die Anatomie, sie sagen so oft Herz und meinen Busen. Doch überwältigte der Schwedenfilm "Sie tanzte nur einen Sommer", der seit kurzem bei uns zu sehen ist (Esplanade, Hamburg) nicht am meisten dadurch, daß er offen und nackt zeigte, was er meinte, sondern daß er eine junge Schauspielerin (Ulla Jacobsson) vorstellte, der die Ausdruckskraft seelischer Zustände in hohem Maße verliehen ist. Leider aber reichte die dichterische Kraft auch für dieses Drehbuch nicht. Das Thema von den Gegensätzen der Generationen und von Stadt und Land ist schon vor fünfundzwanzig Jahren zu Ende diskutiert worden, und der Liebeskummer junger Menschen als Sehenswürdigkeit, der Zauber der Intimitäten in Großaufnahme ist so schrecklich indiskret und täuscht nicht darüber hinweg, daß zumindest die Filmautoren statt der Flamme der Liebe nur noch ein Flämmchen zu entfachen imstande sind. Es ist die ewige Pubertät, die sie entfesseln.