Wer hat sie in die Wiesen gesteckt? Es muß während der Nacht gewesen sein, die schwül und wolkig war. Heute morgen sehe ich sie allenthalben, mit bleichen Stengeln ragen sie gebrechlich aus dem Erdreich, das Blau ihrer Blätter sieht künstlich aus. Jedes Jahr ist es der gleiche Schreck. Wir sollten uns daran gewöhnt haben und die Hoffnung aufgeben, die Hände zu sehen, die sie in den Boden pflanzen, aber immer wieder kommt der Morgen, an dem man sie mit Überraschung erblickt. Wie oft habe ich mir schon gesagt, wenn die Tage kürzer werden: "Gib acht, morgen früh sind sie da, rüste dein Herz!" Offenbar kann man sich auf sie nicht vorbereiten, denn die Unsichtbaren, die mit ihnen auf unsere Wiesen herabsteigen, kennen die Stunde, zu der niemand an sie denkt. Sie lesen in unseren Herzen und was finden sie darin? Sie finden die törichte Hoffnung, daß die Sommer ewig dauern möchten, daß das Laub diesmal, dies eine Mal, vielleicht zögern werde, zu vergilben. Sie finden uns Menschen unverbesserlich, und da es keine guten Wesen sind, lächeln sie böse und benutzen eine dunkle Nacht, um ihre Blumen einzupflanzen. Wie mögen die Geisterhände aussehen, die den Finger in den Boden bohren, und die kellerblassen Stengel einlassen. Es sind gewiß schöne Hände mit dünnen Knochen, von übermäßiger Länge, die sich kühl anfühlen würden, wenn es jemandem gelänge, sie zu berühren. Ich werde mich schön hüten, mit solchen Händen zu tun zu haben. Aber niemand kann verhindern, daß sie ihm, wenn er schläft, über die Lider fahren oder gar eine Sekunde auf der Stirn liegen. Das sind die bösen Träume, von denen niemand weiß, wo sie ihren Ursprung haben, denn sie wissen selbst nicht, woher sie kommen.