Es ist in diesen Jahren oft Gelegenheit gewesen, Jacob Burckhardts Stoßseufzer über die "schrecklichen Vereinfacher", die terribles simplificateurs, zu wiederholen. Daß so schrecklich vereinfacht wird, liegt aber auch daran, daß die Verhältnisse sich so ungeheuerlich kompliziert haben. Was zu Burckhardts Zeit, um 1880, noch einfach schien: der Nutzen der Wissenschaft, der Segen der Kunst, der hohe Wert der Freiheit – das alles hat seither ein doppeltes Gesicht bekommen. Was gut ist und was schlimm für die Menschen und Völker, mißt sich nicht mehr nach den simplen Maßstäben des alten Europa. Klare Fronten – rechts und links etwa in der Politik, traditionell und "modern" in der Kunst – haben sich durch den Fortgang der Ereignisse vermischt, und es zeugt eher von Verblendung als von Einsicht, wenn man sich darauf verbeißt, sie wiederherzustellen.