Von Richard Tüngel

Die neue sowjetische Note über einen Friedensvertrag mit Deutschland wird im Westen ziemlich einmütig abgelehnt. Man sieht in ihr keine Entwicklung, sondern eher einen Rückschritt gegenüber den bisherigen Noten. Die Reihenfolge der Tagesordnung widerspreche jeder politischen Logik. Die Sowjetrussen haben nämlich vorgeschlagen, daß zunächst über die Vorbereitung eines Friedensvertrages verhandelt werde, dann über die Aufstellung einer gesamtdeutschen Regierung und erst dann über freie Wahlen, wobei die Voraussetzungen für ihre Durchführung nicht durch eine Viermächte-Kommission, wie Moskau bisher vorschlug, sondern durch einen deutschen Ausschuß geprüft werden sollen, der aus Mitgliedern der Volkskammer und des Bundestages besteht. An den Verhandlungen hätten Vertreter beider deutscher Regierungen – der Bundesrepublik und der Sowjetzone – teilzunehmen.