Woran mag es liegen, daß für die deutscheBühne heute nicht mehr jene Art Konversationsstücke geschrieben werden, die man "Liebeskomödien" nennt und für die in früheren Jahrzehnten eine ganze Gilde brillanter Könner (von Oscar Blumenthal über Ludwig Fulda bis zu Bruno Frank) zuständig war? Gewiß absorbiert der Bedarf an unterhaltenden Hörspielen die Arbeitskraft so mancher Schriftsteller, die ohne Rundfunk sich dem Theater verschreiben würden. Aber das ist in England, Amerika und Frankreich nicht anders, und doch ist dort an elegant gefertigten Stücken kein Mangel. Dort übt aber auch die Kritik nicht jene gönnerhafte Herablassung gegenüber Werken, die statt dichterischer Bemühtheit dramaturgisches Geschick, statt weltanschaulicher Prätention weltkundige Menschenzeichnung, statt bohrenden Tiefsinns spielende Lebensklugheit zeigen. Kein Autor braucht dort seine Tantiemen mit dem ärgerlichen Bewußtsein zu erkaufen, daß man ihn als Dichter zweiter Klasse registriert.