Die Amerikaner haben den Ministerpräsidenten verbraucht

Es steht mehr als das Schicksal einer Partei auf dem Spiel, wenn die Japaner am 1. Oktober ihr neues Parlament wählen. Fünf Wochen nur dauert der offizielle Wahlkampf, aber seit fast einem Jahr steht jede Äußerung von einigem politischem Gewicht im Zeichen der kommenden Wahl, deren Termin sich nun nicht mehr hinausschieben läßt. Nicht nur zeigt das mehrfach umgebildete Kabinett Yoshida nach vierjähriger Amtsdauer deutliche Spuren der Abnützung, auch die Regierungspartei ist trotz ihrer absoluten Mehrheit im Parlament nicht vor tiefgreifenden inneren Differenzen bewahrt geblieben. Grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten, die vereinfacht auf den Nenner Rechts- oder Linkskurs gebracht werden können, haben zusammen mit einer nicht gerade glücklichen Hand Yoshidas in der Personalpolitik der Partei zu einem so tiefen Riß geführt, daß im Juli bereits offen von der Möglichkeit einer Spaltung gesprochen wurde. Die Spaltung ist abgewendetworden, denn sie hätte bedeutet, daß in der bevorstehenden Wahl die Partei jede Chance, wieder an die Macht zu kommen, verloren hätte. Die Gefahr ist aber nur vertagt worden.