Von Leonhard Frank

Der Würzburger Leonhard Frank, Dichter der "Räuberbande" und des "Ochsenfurter Männerquartetts", der seit 1950 wieder in Deutschland lebt, wird am 4. September 70’ Jahre alt. – In der Nymphenburger Verlagshandlung erscheint sein autobiographischer Roman "Links wo das Herz ist", der die folgende Betrachtung enthält.

Der Autor soll im Roman keine Meinung äußern, er soll hinter seinem Werk stehen. Philosophische Abhandlungen gehören nicht in den Roman. Wer philosophische Abhandlungen lesen will, geht zu den Philosophen. Der Schriftsteller, der unbeantwortbare Fragen – wie die, ob Gott oder der Teufel Inspiration spenden – im Roman zu beantworten sucht, in Form philosophischer Abhandlungen, offenbart einen Mangel an Gestaltungswillen oder Gestaltungskraft und bleibt der Kunst allzuviel schuldig. Die Philosophie eines Romans muß im gestalteten Ganzen enthalten sein. Der Romanschriftsteller sollte nicht tiefer sein wollen, als der Mensch und die Welt sind.