Von Walter Abendroth

Die verschiedenen Tagungen, Ferienkurse und Kongresse für "Neue Musik", die in diesem Sommer wieder stattfanden, hinterließen mit überraschender Übereinstimmung den Eindruck, daß man sich nicht mehr verhehlen könne, in einer Sackgasse gelandet zu sein. Es dürfte daher an der Zeit sein, die tieferen Ursachen der heutigen Musiksituation einmal schonungslos aufzuzeigen.

Nichts machte die großen – und kleinen – • Musiker des neunzehnten und des beginnenden zwanzigsten Jahrhunderts so stolz wie die Tatsache, daß sie in niemandes Auftrag schufen. Sie nannten das "dem Genius allein gehorchen" und legten Wert darauf, mit ihrem Werke "nicht der Menge zu dienen". Vom Standort der Gegenwart aus ist man geneigt, die Dinge ein wenig anders zu sehen, und vor altem ist man weit daran entfernt, den Zustand, auf welchen die Damaligen so stolz waren, als segensreich für die Sache der Musik anzuerkennen.