Der kleine Bogen", Luigi Malipieros winziges Theater im Torturm des verträumten Mainstädtchens Sommerhausen, lockt immer mehr auswärtige Gäste an. Täglich kommen sie in Autobussen von München, streifen durch die Gassen, sitzen im schattigen Garten des "Anker", baden im Main und klettern abends die wacklige Treppe zum Turm hinauf. Sie zwängen sich durch den engen Eingang in den niederen Zuschauerraum, in den sich knapp dreißig Menschen drängen lassen. Und sogleich sagt jeder: "Atmosphäre".

Die schmale Bühne, sehr tief, seitdem Malipiero – der ehedem in Berlin tätige Bühnenbildner, der nun hier Direktor ist – sein Maleratelier dazugeschlagen hat, beginnt dicht gegenüber der ersten Reihe. Eine vorgespannte Gaze schafft Distanz, die Tiefe gibt optische Resonanz. Malipiero läßt hier zuweilen Zimmertheaterstücke spielen, mit Vorliebe aber Werke, die für die große Bühne konzipiert sind und hier durch die Verringerung jeglicher Proportion ihre geistige Essenz hergeben müssen. Zuweilen bleibt einer der auswärtigen Besucher da und inszeniert selbst etwas. So ging es jetzt mit Hans Dieter Schwarze, der für ein paar Urlaubstage kam und für ein paar Arbeitswochen blieb, um Kleists "Prinz von Homburg" aufzuführen.