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Ausgabe Nr. 34/1952

DIE ZEIT

Finanzamt als Partner

Während die längst fällige "große" Steuerreform endgültig auf die Zeit nach der Bundestagswahl vom Sommer 1953 vertagt ist, soll nun doch, wie aus Bonn gemeldet wird, eine "kleine" Reform vom Kabinett beraten und demnächst vom Parlament beschlossen werden.

Der Fremdherrscher im Kreml

Was der kalte Krieg für uns bedeutet, bekommen wir täglich zu spüren. Was aber bedeutet er von Moskau her gesehen? Wie ist er vom Politbüro gemeint? In der deutschen Sowjetzone ist der russisch-kommunistische Kurs verschärft worden.

Vom sicheren Port

Deutschland sei ein Volk von tapferen Soldaten gewesen, nun müsse es auch ein Volk von tapferen Widerstandskämpfern werden, hat der Leiter der "Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit", Tillich, bei einer Kundgebung in Westberlin ausgerufen.

Auerbachs Ende

Der Schlußbericht über den Auerbach-Prozeß, der nach einer über anderthalbjähriger Vorbereitungszeit 17 Verhandlungswochen in Anspruch nahm, ist nun zum Nekrolog geworden.

Ein Interview mit Gandhi Nr. 2

Als nach der Besetzung Heiderabads Nehrus Polizeitruppen 1948 in Telengana eintrafen, fanden sie dort auf einem Gebiet von 10 000 Quadratkilometern, mit einer Bevölkerung von über 4 Millionen Einwohnern, eine schon seit zwei Jahren bestehende kommunistische Verwaltung vor mit den obligaten Bauernsowjets, den Kollektivsilos und .

ZEITSPIEGEL

Wenige Stunden, bevor die Radiostationen Westeuropas aus Salzburg die Welt-Uraufführung der "Liebe der Danae" von Richard Strauß übertrugen, ist in Ostberlin eine "staatliche Rundfunkkommission" geschaffen worden.

Warum Nero versagte

In katholischen Ländern und Gebieten hat auch das Theater seine kirchliche Tradition. Wo aber die Reformation durchdrang, war das kultische Drama verpönt; das "Oratorium" trat an seine Stelle.

Die Liebe der Danae

Die vorletzte Oper von Richard Strauß "Die Liebe der Danae", wurde der Öffentlichkeit erst nach seinem Abgesang an die Bühne, dem "Capriccio" (1942) vorgestellt.

Philosophische Front im Kalten Krieg

Die nichtsowjetische Welt hat seit 1917 dem Kreml gegenüber bald nacheinander, bald gleichzeitig zwei entgegengesetzte, sich zur Ohnmacht ergänzende Fehler gemacht: entweder hat sie sich in der von Moskau listig genährten Illusion gewiegt, aus den Sowjets könnten, wenn man ihnen nur den guten Willen zeigte, mit den Jahren faire Partner im Spiel der Weltpolitik werden – oder sie hat, umgekehrt, den Bolsche- – wismus als etwas Primitiv-Asiatisches, Dämonisch-Böses in ihre Rechnungen eingestellt, die dann in Kreuzzugsplänen enden mußten.

Kleist im Torturm

Der kleine Bogen", Luigi Malipieros winziges Theater im Torturm des verträumten Mainstädtchens Sommerhausen, lockt immer mehr auswärtige Gäste an.

Musikschaffen ohne Auftrag

Die verschiedenen Tagungen, Ferienkurse und Kongresse für "Neue Musik", die in diesem Sommer wieder stattfanden, hinterließen mit überraschender Übereinstimmung den Eindruck, daß man sich nicht mehr verhehlen könne, in einer Sackgasse gelandet zu sein.

Ambulante Museen

Vieles an dieser fatalen Entwicklung ist gewiß zwangsläufig gewesen. In Deutschland gibt es kaum ein Museum, das nicht von Bomben ganz oder teilweise zerstört worden wäre.

Szene mit Proust

AIs Marcel Proust den Goncourtpreis erhalten hatte, begann die Gesellschaft ihm nachzulaufen. Den ganzen Tag über lag er in seinem ungelüfteten, verdunkelten Zimmer zu Bett und am Abend machte er seine komplizierte Toilette (die weißen Glacehandschuhe, die den Chapeauclaque hielten) und wohnte den Empfängen bei, die zu Ehren der Mitglieder der Friedenskonferenz abgehalten wurden.

Hamlets Taille

Er ist fett und außer Atem", sagt, bei Schlegel, Hamlets Mutter von ihrem Sohn, um zu begründen, daß er beim Fechten durch einen Trunk gestärkt werden muß.

Die tugendhafte Circe

In Hollywood hat man kürzlich einen "Preis für musterhafte Lebensführung" verliehen. Es begab sich das Pikante, daß des Preises am würdigsten eine Schauspielerin befunden wurde, deren Ruhm auf der Leinwand durch die Darstellung wenig bekleideter Verführerinnen begründet ist.

Köln bleibt Köln

Das Verhältnis zwischen den drei westdeutschen Großmessen scheint wieder einmal gründlich durcheinander geraten zu sein. Eine Fülle von neuartigen "messepolitischen Konzeptionen" – vor allem aus Hannover – hat die Frage nach einer wirklich sinnvollen und volkswirtschaftlich optimalen Arbeitsteilung unter den Messen Frankfurts, Kölns und Hannovers erneut aufgeworfen.

Jubilar Chemie

Am 3. Oktober wird der Verband der Chemischen Industrie mit einem Festakt in der Frankfurter Paulskirche sein 75jähriges Jubiläum feierlich begehen.

Kongreßthema: Wein

Die Wissenschaft vom Wein ist in Deutschland sehr gut entwickelt. In keinem Land Europas wurde der Wein in einem solchen Umfang zum Gegenstand des Unterrichts, der Beobachtung und der Pflege gemacht wie in Deutschland.

Einglas-Export

Die drastischen Sparmaßnahmen der Briten zeigen die ersten Erfolge: im Juli waren die Einfuhren gegenüber dem Monatsdurchschnitt des ersten Halbjahres um 9 v.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin berichtet:: Konjunkturbild im weltwirtschaftlichen Rahmen

Die weltwirtschaftliche Entwicklung der letzten Jahre stellt sich dem Betrachter rückschauend etwas anders dar, als es der an kurzfristigen Meldungen orientierten Betrachtungsweise entspricht: Der Preisboom, den angeblich erst die Koreakrise brachte, war an internationalen Rohstoffmärkten schon seit Spätherbst 1949 bemerkbar.

Viel Lärm um die Butter

Der Streit um die gestiegenen Butterpreise, die die Hausfrauen so sehr in Harnisch bringen und in Niedersachsen bereits zu einer Art "Butterkrieg" zwischen Einzelhandel und Butterabsatzzentrale geführt haben, zeigt wieder einmal, wie weit wir doch noch davon entfernt sind, mit marktwirtschaftlichen .

Die Ostsee

Die beständige Gutwetterlage an der Nord- und Ostsee in Spätsommer und Herbst wissen die Kenner, die wirklich Erholung in Stille und Einsamkeit suchen, zu schätzen.

Der Mäusepieps

Über die Mäuse ist der Geist des Fortschritts gekommen. Sie haben es wohl endgültig satt, mäuschenstill in ihrem Mauseloch zu sitzen.

Rundfunkprogramm in Auslese

Lügen die Dichter zuviel, oder glauben wir ihnen zuwenig ...? Noch während das Hamburger Hörspiel Günter Eichs seltsame Geschichte vom "Tiger Jussuf" erzählte, riefen aufgebrachte Hörer im Funkhaus an und beschwerten sich: so etwas könne es doch nicht geben .

Einen Tonic, bitte!

In einigen Lokalen in Deutschland kann man jetzt die Gäste bestellen hören: "Einen Tonic, bitte." Dann bringt der Kellner ein wasserhelles bläulich opalisierendes Getränk, das aus Gin und Tonic besteht.

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