Von unserem Berliner Korrespondenten

K. W. Berlin, im August

Seit Mitte August gibt es die historischen deutschen Länder Brandenburg, Mecklenburg, Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt nicht mehr. Diese fünf Länder der Sowjetzone, die im ganzen der früheren staatlichen Gliederung Deutschlands entsprachen, sind, einem SED-Vorschlag aus dem Juli entsprechend, ohne jede Diskussion und Stellungnahme von der "Volkskammer" aufgelöst worden. Die Regierungen und Parlamente dieser Länder sind verschwunden. Dagegen setzte die Grotewohl-Regierung innerhalb von zwei Wochen 14 Bezirksräte ein, die von nun an die 14 Bezirke der Sowjetzone: Potsdam, Frankfurt (Oder), Kottbus, Rostock, Schwerin, Neu-Brandenburg, Dresden, Chemnitz, Leipzig, Magdeburg, Halle, Erfurt, Gera und Suhl zu leiten haben. Diese Bezirksräte sind nur zum Teil dem bisherigen Regierungs-Apparat der Sowjetzonen-Länder entnommen, bestehen aber durchweg im Gegensatz zu der bisher formal noch überparteilichen Zusammensetzung der Länderkabinette ausschließlich aus SED-Funktionären. Die Bezirkskommissionen, die diesen Bezirksräten beigegeben werden, sind aus den Kreisen der SED, der Aktivisten, der FDJ, der Volkspolizei und der FDGB-Funktionäre berufen worden. Die formal noch neben der SED bestehenden Parteien, LDP, CDU, NDP sind ohne jeden Einfluß auf die personelle Zusammensetzung der vierzehn Bezirkstage und auf die Leitung der 217 Kreise, die statt der bisherigen 143 dekretiert worden sind.