Von Walter Fredericia

Obes die Krisen waren, die in den deutschen Schicksalsjahren vor 1933 Franz von Papen anzogen, oder ob Papen es war, der, wo er hinkam, eine Krise entstehen ließ –, wer wollte das entscheiden? Sicher ist, daß dieser Herrenreiter, Zentrumspolitiker, Reichskanzler, Diplomat immer ganz vorn mit dabei war. Naiv ist die Forderung, daß gerade er, unter ein paar tausend Politikern und unter 70 Millionen Deutschen, die Pflicht gehabt hätte, den großen Kladderadatsch aufzuhalten, weniger naiv die Frage, was er etwa selbst dazu beigetragen haben könnte, ihn herbeizuführen. Um so interessanter ist das Studium seiner jetzt zunächst englisch erschienenen Erinnerungen. (Fr. von Papen: Memoirs, bei André Deutsch, London). Sie geben einen, sei es auch vielleicht subjektiv gefärbten, Einblick in die Geschehnisse der kritischen Jahre, wie ihn bisher kein anderes Memoirenbuch gegeben hat, und gleichzeitig das Selbstporträt eines Mannes, dem bei ansonsten ausgezeichneten Fähigkeiten zwei Eigenschaften fehlten: Gründlichkeit und Zähigkeit. Er scheiterte daran, daß ihn die Parteien der Weimarer Republik, auch seine eigene Zentrumspartei, selbst in den ernstesten Situationen nicht ernst nahmen. Das wirft er ihnen vor. Sie aber nahmen ihn nicht ernst, weil ihm jene erwähnten beiden Eigenschaften fehlten. So stand Papen in vorderster Reihe am Grabe der Weimarer Republik, so sehr er sich auch bemüht hatte, sie durch Umformung in einen Präsidial-Staat zu retten ...