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Ausgabe Nr. 31/1952

DIE ZEIT

Adlai – der Gerechte

Die Demokraten haben auf ihrem Parteikonvent in Chikago mit überraschender Einmütigkeit einen Mann auf ihren Schild gehoben, der sich hartnäckig geweigert hatte, den Wünschen Präsident Trumans und der Parteileitung nachzukommen und sich um die Nominierung als demokratischer Kandidat für die Präsidentschaftswahl zu bewerben.

Warum wir so mißtrauisch sind

Die Illusion, die Saarfrage werde sich mit der Zeit von selbst lösen, ist zerstoben. Sie beruhte auf der Hoffnung, der die deutsch-französischen Beziehungen vergiftende Konflikt werde in dem größeren Rahmen der kontinentalen Gemeinschaft in dem Maße an Bedeutung verlieren, in dem sich diese Gemeinschaft festigt.

Eva Peron †

Eva Peron, die Gattin des argentinischen Staatspräsidenten, ist im Alter von dreißig Jahren gestorben. Schon seit langem war sie krank, und hätte sie sich von ihrer politischen Arbeit rechtzeitig zurückgezogen, wäre sie wohl durch eine Operation noch zu retten gewesen.

Der Kampf der Ukrainer

Unter dem Namen "Kongreß freier Völker" fand in Düsseldorf eine Veranstaltung statt, auf der die gegensätzlichen Haltungen der in der Sowjetunion zusammenlebenden Völker und ihrer im Westen existierenden Emigrationen deutlich zum Ausdruck kamen.

Der ewige Staatsfeind

Zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilte am 14. Oktober 1943 ein Volksgerichtshof Freislers den Tischler Walter G., der in seiner Werkstatt in einer sächsischen Kleinstadt Feindsender gehört hatte.

Persisches Öl

In Teheran hat Premierminister Mossadek den englischen Botschafter wissen lassen, er sei bereit, über die Art und Weise zu verhandeln, wie die Anglo-Iranian-Oil-Company für die Beschlagnahme ihrer Anlagen in Abadan entschädigt werden könne.

König Haakon

König Haakon von Norwegen vollendet am 3. August sein 80. Lebensjahr. Er ist nicht nur der älteste, sondern auch der am längsten regierende Monarch Europas.

Carl Severing †

In Bielefeld ist vor einigen Tagen der 77jährige Carl Severing gestorben. Einer der letzten großen Vertreter der alten Sozialdemokratie und der Weimarer Republik ist damit dahingegangen.

Krisentage in England

In England herrscht Alarmstimmung. Seit Wochen wächst die Beunruhigung maßgebender Kreise über die Bilanzentwicklung. Die Warnungen zuständiger Minister, daß die Besserung der Situation nicht rasch genug fortschreite, mehren sich; weitere Verschärfung der Krisenmaßnahmen scheinen unabwendbar.

ZEITSPIEGEL

In einem von Präsident Truman unterzeichneten Gesetz wird bestimmt, daß jede Verwendung amerikanischer Hilfemittel zur Förderung des Weltbürgertums und des Gedankens einer Weltregierung untersagt ist.

Von Papen zu Hitler

Obes die Krisen waren, die in den deutschen Schicksalsjahren vor 1933 Franz von Papen anzogen, oder ob Papen es war, der, wo er hinkam, eine Krise entstehen ließ –, wer wollte das entscheiden? Sicher ist, daß dieser Herrenreiter, Zentrumspolitiker, Reichskanzler, Diplomat immer ganz vorn mit dabei war.

Ärzte gegen Kassen

Das, was man gemeinhin den Berliner Ärztekrieg nennt, ist ein seit dem 1. Juli dieses Jahres bestehender vertragloser Zustand zwischen der Ärzteschaft einerseits (vertreten durch "ihren" Verband) und "der" Krankenkassenorganisation für West-Berlin, die zwar herkömmlich erweise noch als VAB ("Versorgungsanstalt Berlin") bezeichnet wird, in Wirklichkeit aber gerade jetzt aus dem Gesamtrahmen der vielumstrittenen Einheitsversicherung ("sowjetzonalen Musters" – wie ihre Gegner sagen) herausgenommen und organisatorisch verselbständigt worden ist.

Was ist das?

Nicht nur zum Zeitvertreib sind Rätsel erfunden und geraten worden. Dichter und Philosophen (unter ihnen Schiller, Schleiermacher, Franz Brentano) erdachten Rätsel, die zugleich Sinngedichte waren und in verschlüsselter Form ein wenig vom geheimnisvollen Zusammenhang aller Dinge in der Welt aufleuchten ließen.

Bilderwahn und Bildersturm

Sollen Bilder – der Illustrierten, "Fumetti", – der Filmleinwand und der Fernsehschirme – die Menschen wieder zu Analphabeten machen, nachdem Bilder – die der Bilderschrift – ihnen vor mehr als drei Jahrtausenden den Weg zum Alphabet gezeigt haben? Die einen fragen kalt: "Na und?" und meinen, daß das Analphabetentum der Zukunft keineswegs gleichbedeutend zu sein brauche mit Unbildung; das Bild werde wohl der Totengräber der Schrift, nicht aber der Kultur sein.

Neuer Kost-Plan

Der Chef der von den Alliierten geschaffenen deutschen Kohlenorganisation. Bergassessor Dr. h. c. Heinrich Kost, überraschte wieder einmal mit einem guten Vorschlag.

Export-auch Lebensfrage für USA

Außenminister Acheson erklärte vor kurzem in einer Pressekonferenz unter Hinweis auf eine Note, in der die englische Regierung gegen die von den USA vorgenommene Kürzung gewisser Einfuhrkontingente und die Erhöhung von Zolltarifen protestiert hatte: "Wenn wir und unsere Partner in der freien Welt jene wirtschaftliche und militärische Stärke aufbauen wollen, die wir für unsere Sicherheit brauchen, so müssen wir alle zusammenarbeiten, um die zwischen uns bestehenden Handelsbarrieren auf ein Minimum zu reduzieren.

Sommerliche Flaute an den Börsen

Das Börsengeschäft ist nunmehr in die alljährlich auftretende sommerliche Flaute geraten. Das Publikum ließ sich weder durch die Hoesch-Umstellung die besser sein soll als 1 : 2, noch durch die günstiger werdenden Meldungen aus der Wirtschaft in die Börsensäle zurücklocken, Allerdings hat die Verschiebung der längst fälligen Steuerreform eine nachhaltige Verstimmung hinterlassen, da man von ihr in Verbindung mit dem Kapitalmarktförderungsgesetz die Möglichkeit erhofft hat, endlich zu einer Neukapitalbildung zu kommen.

Vor-Korea-Niveau wurde unterschritten

Die Preisveränderungen an den maßgebenden Warenbörsen der Welt hielten sich in der vergangenen Woche in engen Grenzen. Größere Ausschläge waren nur in wenigen Fällen zu verzeichnen: eine Preiserhöhung für Weizen um 6 1/4 cts je bushel in Chikago und Preisermäßigungen für Leinsaat in Winnipeg (÷ 3,38 cts je bu), für Schweißwollein New York um 5 cts je lb und außerdem für Jute in Kalkutta um 10 Rupies je Ballen.

Mit den Stühlen fing es an

Zürich, Ende Juli Nach rechts geht es durch metallgefaßte Glastüren zur Ausstellung "Kunst um 1900"; links steigen auf breiter Treppe Mädchen in blauen Leinenhosen, junge Männer in offenen, großkarierten Hemden zu den Werkstätten der Kunstgewerbeschule Zürich hinauf.

Keine Gleichschaltung

Ein Nachwort zur Umfrage der "Zeit" über die neuen Familienrechts-Gesetzentwürfe (siehe Ausgabe vom 24. Juli) sendet uns die Bundestagsabgeordnete Dr.

Urvater Münchhausen?

Wer sich heute Einblick in den Stand der Forschung über die Herkunft des Menschen verschaffen will, findet nicht mehr wie zu Haeckels Zeiten Übereinstimmung der Anthropologen über den vermutlichen Stammbaum des Homo sapiens.

Es ist schade...

Unter der nordafrikanischen Sonne inmitten arabischer Gelassenheit hoffen der Amerikaner Port Moresby und seine Frau Kit wieder zueinander zu finden.

Lagermensch und Spion

Es beginnt in Böhmen: in jenen warmen Maitagen, als das Brummen von Marschall Koniews Panzern näherkommt. Auf den staubigen Landstraßen stehen Tschechen und Deutsche; die einen jubelnd, die anderen ratlos.

Rundfunkprogramm in Auslese

Mehrmals am Tag ertönen in unseren Sendern die Olympia-Fanfaren: Bericht aus Helsinki. Und neun, zehn Reporter müssen dann beweisen, daß sie zu Recht für dieses Gemeinschaftsprogramm des westdeutschen Rundfunks ausgewählt wurden.

Unternehmungen

Rheinpreußen nimmt Dividendenzahlung auf. Die Rheinpreußen Aktiengesellschaft für Bergbau und Chemie, Homberg, Niederrhein, die die ehemalige Gewerkschaft Rheinpreußen fortsetzt, beschloß in ihrer HV, aus dem Reingewinn des nur zwei Monate umfassenden Geschäftsjahres 1951 (1.

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