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Ausgabe Nr. 27/1952

DIE ZEIT

Alles umsonst

Ein Dresdener Facharbeiter wurde von einer kanadischen Einwanderungskommission nach Westberlin bestellt und dort eingehend gemustert.

Wenn schon, denn schon

Die Außenminister, die sich am letzten Wochenende in London über ihre Antwort an die Sowjetunion zu einigen versuchten, scheinen dabei mehr heimwärts als nach Moskau geblickt zu haben.

Eine noble Geste

Wenn der erste deutsche Botschafter in Washington sein Amt antreten wird, dann braucht er nicht auf Wohnungs- und Bürosuche zugehen – wozu seine Kollegen in den meisten anderen Ländern gezwungen sind – sondern dann kann er gleich, oder sehr bald, in eine funkel-nagel-neue Botschaft einziehen.

Wahltechnik in USA

Am 7. Juli tritt in Chikago der Parteikonvent der Republikaner zusammen, um den republikanischen Präsidentschafts- und Vize-Präsidentschaftskandidaten zu nominieren.

Deutsche deportiert

Der Himmler der Sowjetzone, Sicherheitsminister Zaisser, hat in diesen Wochen ganze Arbeit geleistet. Über hunderttausend Menschen sind aus dem Zonengrenzgebiet vertrieben worden.

Soldatendiplomat Mark Clark

Ende April saßen im Zuchthaus Jackson, Michigan, 169 Meuterer bei Beefsteak und Gefrorenem und feierten ein Siegesbankett, nachdem sie gegen Freilassung der acht festgehaltenen Wärter ihre Bedingungen durchgesetzt hatten.

ZEITSPIEGEL

Umsiedlungskommissionen aus Nordrhein-Westfalen, Tübingen und Stuttgart befinden sich zur Zeit in Bayern, um insgesamt 8800 Heimatvertriebene, die bisher in Oberbayern, im Bayrischen Wald und in Unterfranken untergebracht waren, zu übernehmen.

Besuch in Görlitz

In Berlin*fährt vom Görlitzer Bahnhof kein Zug mehr ab. Aber im Hauptbahnhof zu Görlitz kommen noch einige Züge an. Während die von Norden herangekeuchte Lokomotive sich verschnauft und die wenigen Reisenden sich durch die Sperre drängen, hat man Gelegenheit, den – dürftigen, mit Kopierstift ausgeschriebenen Zettel zu studieren, der "Fahrplan" heißt.

Notizen

Der Friedenspreis des Buchhändler-Börsenvereins wurde für dieses Jahr an Prof. Romano Guardini, Tübingen, verliehen. Die Überreichung soll wieder als Auftakt der Frankfurter Buchmesse (25.

Dänisch fühlen...

Abseits der großen Politik hat sich an der deutsch-dänischen Grenze seit dem deutschen Zusammenbruch eine "Frage" entwickelt, die bislang als eine rein interne Angelegenheit des Landes Schleswig-Holstein gilt, obwohl sie im Prinzip nicht minder bedeutsam ist als die Saarfrage, von der doch niemand behaupten würde, daß sie lediglich eine Angelegenheit des Landes Rheinland-Pfalz sei.

Schwingende Mobile

Man kann sich eine Schlingpflanze an die Zimmerdecke oder an die Wand hängen oder einen Vogel im Bauer. Oder man kann, wenn man zwei- bis viertausend Mark hat, ein.

Cecilia und die starken Männer

Eines Morgens erzählte Cecilia, das Stubenmädchen, meiner Frau mit fliegendem Atem, dieser Tage würden zwei echte Ringer in unsere Pension ziehen, berühmte Ringer, die jeden Tag in der Zeitung stünden, sie rängen hier einen ganzen Monat immerzu mit sich, und das eine sei ein Franzose, und der andere schwarz.

Der Ast, auf dem sie sitzen

Ein hoher Richter sagte zu mir: "Die Leute erwarten, daß das Gericht Recht sprechen wird. Aber – was ist Recht? Der Gelehrte, der ein ganzes Leben daran wendet, zu ergründen, was "das Recht" ist, weiß auch keine Antwort.

Kritik am Monopol

Chemische Industrie und Spirituosenhersteller sind ausgezogen, das Bundesbranntweinmonopol zu zähmen: Jenen Wildling im Gehege der freien Marktwirtschaft, dessen absonderliche Kapriolen seit langem Mißfallen erregen.

Messekonzentration

Der Wettbewerb der führenden Messeplätze um die Nachfolge Leipzigs scheint ein entscheidendes Stadium erreicht zu haben, nachdem sich die Industriegruppen Porzellan, Keramik, Glas und Schmuck- und Silberwaren mit 0,9 Mill.

Aus acht wurden vier

Die Antwort des Scharnberg-Ausschusses auf die achtprozentige Bayern-Anleihe ließ nicht lange auf sich warten. Die nachträgliche Belastung mit einer Kapitalertragssteuer von 50 v.

Kleiner Bierkrieg

Ber gilt in Bayern als Nahrungsmittel. Der Bierpreis ist also genau so ein politicum wie der Brotpreis. Das wußten auch die bayerischen Minister, und darum haben sie sich bis nach den Wahlen Zeit gelassen, ehe sie den Forderungen der Brauer nachgaben und in eine Bierpreiserhöhung einwilligten.

Vielseitige Kieler Woche

Siebzig Jahre ist die "Kieler Woche" jetzt alt. Schon aus diesem Grunde war diesmal die Elite aus dem politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und auch sportlichen Leben zwischen Wien und Olso in der unermüdlich an ihrem Wiederaufbau arbeitenden Stadt besonders stark vertreten.

Handwerksmesse von Format

Vom 4. bis 20. Juli findet in München die vierte Deutsche Handwerksmesse unter starker Auslandsbeteiligung statt. Diese bedeutendste wirtschaftliche Veranstaltung des Deutschen Handwerks ist bereits zu einem festen Begriff geworden, auf der handwerkliche Qualitätserzeugnisse ihr Angebot alljährlich in sozusagen lückenloser Geschlossenheit für den Weltmarkt präsentieren.

Die schwimmende Baumschule

Wenn alles gut geht – das heißt, wenn kein Krieg kommt, die Finanzierung gesichert bleibt, die Verknappung an Schiffsblechen behoben wird – hofft Westdeutschland in einigen Jahren auf eine Handelstonnage von etwa drei Millionen Tonnen zu kommen.

Kurios, doch wahr

Letzthin war ich Zeuge in einem Strafprozeß. Ein vielversprechender junger Mann hatte es mit 23 Jahren so weit gebracht, rund 125 000 DM ohne die geringste Gegenleistung zu kassieren.

Ärzte haben Humor!

Wenn auch der Deutsche im Rufe steht, humorlos zu kein – gottlob konnte Jan Molitor in der "Zeit" das Gegenteil beweisen –, die deutschen Ärzte haben nicht nur Witz, sie haben einen Humor, der Kritik an ihrer Wissenschaft, Selbstkritik enthält.

Drei Lösungen

Für das, was man schreibt, sagt Nietzsche, haftet man auch. Dieses Wagnis des Schriftstellers ist deutlich spürbar bei der französischen Dichterin Paule Regnier.

Es muß nicht immer die Angst sein

"Das ist nur ein Unterhaltungsroman!" hört man des öfteren in leicht abschätzigem Ton sagen. Aber mit welchem Recht? Vor Zeiten, als die Ritterfräulein am Kamin oder die Hofdamen in Versailles einander die Geschichten von der Tafelrunde des Königs Artus oder von Armida und ihren Liebhabern vorlasen, dienten alle Romane der Unterhaltung.

Unternehmungen

Ford-Köln bleibt noch ohne Dividende. Obschon die Ford-Werke Aktiengesellschaft, Köln, im Jahre 1951 einen Reingewinn von 1,37 Mill.

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