Wie es auf der Leinwand versucht wird

Berlin, Ende Juni

Die in Berlin stationierten ausländischen Journalisten sollten entscheiden, welcher deutsche Film des Silbernen Lorbeers für den "Selznick-Preis der Völkerverständigung" würdig sei. Die Wahl ist ihnen, wie es in ihrer Urteilsbegründung heißt, schwer gefallen, und daß sie Harald Brauns "Herz der Welt" vorgeschlagen haben, wollen sie als Ausweg aus der Mangellage verstanden wissen. Ihre Preiszuerkennung wirkte um so ernüchternder, als unmittelbar nach ihr zu Beginn der Berliner Filmfestspiele der amerikanische Film "Der Brunnen" im internationalen Wettbewerb gezeigt wurde. Da ist ein Stoff angepackt, der mutig die heikelste Situation in den Staaten spiegelt: ein kleines Negermädchen, das auf dem Schulweg in einen alten Brunnen stürzt, entfesselt in einer kleinen amerikanischen Stadt eine grimmige Fehde zwischen Schwarzen und Weißen mit allem Dynamit des Rassenproblems. Wie aber die gemeinsame Rettungsaktion des ganzen Ortes schließlich die Ressentiments fortbläst, das ist bei aller krassen Realistik von hohem Gleichniswert.