Es gibt große Stunden, die für manches Allzu-Alltägliche und Mißlungene im Funkprogramm reiche Entschädigung bieten: Das Konzert, das Hans Schmidt-Isserstedt zum 70. Geburtstag Strawinskys in der Musikhalle dirigierte, wurde in Hamburg als ein Höhepunkt der Musiksaison bezeichnet. Die technisch hervorragende Übertragung auf die Sender des NWDR gab nun allerorts Gelegenheit, die Symphoniker des Hamburger Funkhauses als eines der Elite-Orchester Deutschlands, ja der Welt zu bewundern. Gewiß war Schmidt-Isserstedt, der große Mozart-Dirigent, auch bei der Musik Strawinskys ganz in seinem Element: frische Tempi, luzide Klarheit, unsentimentale, aber temperamentdurchglühte Disposition. Strawinskys jüngste Symphonie (1945) mit dem weitausschwingenden Anfangsthema, danach die aus moderner Lebenshaltung und tiefer Katholizität geformte Psalmen-Symphonie (mit der Doppelfuge, die der NWDR-Chor kristallrein sang), dann das "Capriccio", das die junge französische Pianistin Monique Haas zu einer Apotheose der Grazie gestaltete, zuletzt die mit rhythmisch hinreißender Verve dargebotene "Feuervogel-Suite" – alles das erweckte im Publikum des Konzertsaales einen Enthusiasmus, den auch am Lautsprecher mitzuerleben wohltuend war. Der Hörer, der ja nie Gelegenheit hat, spontan zu kritisieren (er stellt nur ab oder schreibt höchstens einen Ärger-Brief) – er hat ja leider auch nie Gelegenheit, dem Funk spontan zu danken.