Marcel Arland, 53 Jahre alt, erhielt soeben für sein gesamtes Oeuvre von der Academie Française den "Grand Prix de Litterature".

Die ersten zehn Perlen werde ich für die Ruhe der Seelen meiner Eltern beten. Gelobt seist du, Maria... Die Oktobernacht bricht jäh ein. Niemand ist auf der Straße. Und die Kälte lauert unter der Tür. Es ist merkwürdig: ich bin heute älter als meine Eltern bei ihrem Tode. Wenn sie auferstünden, glaube ich, würde es ihnen ebenso peinlich sein wie mir. Ihre Constanze, ihre Große. So weit ich zurückdenken kann, immer war ich schon die Große. Man sagte ihnen: "Sie ist sehr vernünftig, eure Große." Sie antworteten: "Das stimmt, sie ist ein stilles Mädchen." Man sagte ihnen: "Ihr habt Glück mit eurer Großen: sie sagt zu allem ja, sie ist immer guter Laune, sie denkt niemals an ihr Vergnügen." Oh, ich dachte schon daran, aber ich hätte mich nicht getraut: das war nichts für mich, für ein so stilles Mädchen! Ich hütete meine kleine Schwester, ich versorgte den Haushalt, ich half Mama in der Küche. Mein einziges Vergnügen war, auf der Schwelle zu sitzen und nähend zuzuschauen, wie die anderen sich vergnügten. Wenn der Vater zum Essen hereinkam und meine Schwester rief ("Ja, ich komme, ich komme gleich!" Aber sie brauchte eine Viertelstunde, um zu kommen), und wenn sie endlich kam, ganz rot, ganz verstrubelt, die Augen feucht vom vielen Lachen: "Was für ein kleiner Wildfang, was für ein Tollkopf!" Er hob sie hoch und tat so, als wolle er sie in den Keller werfen. Zu mir, zu mir sagte er, wenn er überhaupt etwas zu mir sagte: "Du hast fleißig gearbeitet, Große?" Dennoch glaube ich, daß er mich auch geliebt hat. Aber eben nur so.