Den 300 000 Schlesiern, die in Hannover zu ihrem Bundestreffen zusammenkamen, war es einzig und allein um das verlorene, unendlich heiß betrauerte und ersehnte, unabdinglich deutsche Schlesierland zu tun. 300 000 Schlesier – notbeheimatet in allen Gebieten der Bundesrepublik und nun zusammengeströmt in einer Stadt: alle Parteien (außer der kommunistischen), alle Konfessionen, alle Stände, fast alle Altersstufen waren vertreten. Sie kamen, nicht das Trennende, sondern das Gemeinsame vor aller Welt zu bezeugen: das Schlesiertum, das Deutschtum. Und trotzdem verwirklicht sich auch hier – freilich ganz ohne Schuld der Schlesier, ja zu ihrem Ärger und Entsetzen – der moderne Satz, daß dort, wo viele Menschen versammelt sind, sogleich auch ein Lautsprecher in Aktion zu treten pflegt. Diesmal war es der niedersächsische Ministerpräsident Hinrich Kopf, der diese Rolle übernahm, indem er als Schirmherr des großen Treffens die Gelegenheit benutzte, um den Schlesiern von Parteipolitik zu sprechen, von SPD-Politik natürlich, denn Kopf ist Sozialdemokrat. Deshalb waren die Schlesier nun wirklich nicht nach Hannover gekommen. "Hier wird keine Parteipolitik gemacht", riefen sie. "Abtreten!"