Wenn wir davon, ausgehen wollen, daß gerade die kulturellen Beziehungen zwischen zwei Nachbarvölkern, die so viel aneinander und umeinander gelitten haben, ein wesentliches Zeugnis für ihr gegenseitiges Verhältnis ablegen, so dürfen wir wohl mit Freuden feststellen, daß das Werk der deutsch-französischen Verständigung Fortschritte macht, die zu den höchsten Hoffnungen berechtigen. Frankreich steht der deutschen Kunst, der deutschen Musik, dem deutschen Theater mit offenen Sinnen gegenüber.

Versetzen wir uns doch in die Jahre nach dem ersten Weltkrieg! Wäre es damals möglich gewesen, daß beispielsweise in der Großen Oper von Paris ein deutscher Dirigent wie Furtwängler ein deutsches philharmonisches Orchester dirigierte oder daß Wagner-Opern in Paris in-deutscher Sprache gesungen wurden, wie dies nun schon seit Jahren der Fall ist? Daß deutsche Musik und deutsche Musiker in Frankreich heute wieder mit Begeisterung aufgenommen werden, ist bekannt. Schon 1950 schrieb der Musickritiker der Tageszeitung "Combat": "Man gibt hier allen aus Deutschland kommenden Künstlern den Vorzug. Wer hätte das 1945 für möglich gehalten? Die Umstände zeigen aber, daß die vom Publikum getroffene Wahl absolut gerechtfertigt ist."