Von Emile Henriot, Académie française

Seit gut fünfundvierzig Jahren habe ich unaufhörlich gelesen. Nicht daß ich mich dessen rühmen wollte, aber da es sich hier darum handelt, eine literarische Bilanz eines halben Jahrhunderts zu ziehen, ist es immerhin ein Vorteil, daß ich ein ständiger Zeuge gewesen biß. Denn dies gibt mir wohl das Recht, zu sagen, daß ich das Gefühl habe, in einer schönen, fruchtbaren und sehr lebhaften literarischen Epoche gelebt zu haben. Was wird davon bleibend sein? Darüber wird die Zukunft das letzte Wort sagen. Vielleicht, daß man sich dereinst über unsere Begeisterungen und Geringschätzungen wundert. Aber ist dies nicht immer so? Von dem riesigen Werk Voltaires ist schließlich nur "Candide" und "L’Ingénu" geblieben, Werke, die er selbst für schwach hielt. Wir Zeitgenossen können es höchstens wagen, eine charakteristische Tatsache festzustellen: die Kontinuität der französischen Literatur.