Von Wolfgang Menge

Mit einem Aufgebot von 24 Zeugen ging in Hamburg ein Prozeß gegen einen Omnibusunternehmer aus Bremen vonstatten; mit der Einstellung wegen Geringfügigkeit endete er anderthalb Tage später. Dem Omnibusunternehmer war vorgeworfen worden, daß er an drei Apriltagen des vergangenen Jahres Polizei und Behörden Hamburgs beleidigt hätte.

Die Story dieses Omnibusunternehmers ist die Geschichte eines Mannes, der auf Grund des Bonner Grundgesetzes einige Rechte zu haben glaubt und sie nun mit allen Mitteln zu verteidigen sucht. Der Mann heißt Rammelmann. Er hat treuherzige blaue Augen, ist Sohn eines Großbauern aus dem Westfälischen und trägt mit Vorliebe rührend altmodische, spitze, rotglänzende Schuhe. Franz Rammelmann besitzt heute acht Omnibusse und einen Lastwagen, duzt sich mit seinen Fahrern, hilft Bedürftigen, ohne ein Wort darüber zu verlieren, und kämpft seit Jahren gegen den Staat, soweit dieser ihm in den verschiedensten Erscheinungsformen gegenübertritt. Vielleicht ist der Kampf aussichtslos. Das weiß heute noch niemand. Aber Franz Rammelmann wäre der Mann, der die Arena erst dann verläßt, wenn er seinen letzten Omnibus verkauft hat, um die Kosten der Prozesse decken zu können...