Das System der sozialen Hilfeleistungen, wie es Frankreich herausgebildet hat, ist unter verschiedenen Aspekten für uns interessant. Dort sind die Familienausgleichskassen geschaffen worden, deren Einführung auch in Deutschland einige Fraktionen des Bundestages als recht dringlich empfehlen, wobei freilich zu betonen wäre, daß die Zahlung von Kinderbeihilfen wahrscheinlich sehr viel einfacher – wie das ein Initiativantrag der SPD vorsieht – über die Finanzämter (bei gleichzeitiger Neufassung des Tarifs der Einkommensteuer) erfolgen könnte. Jedenfalls wäre dies Verfahren sehr viel billiger, was die Verwaltungs kosten anbelangt, als die Belastung der Berufsgenossenschaften mit der ihnen völlig wesensfremden Aufgabe, Kinderbeihilfen auszuzahlen, also quasi die Deckung des Risikos "Familienzuwachs" zusätzlich zur Deckung des Risikos "Unfall" mit zu übernehmen. Auch sind die Erfahrungen, die man in Frankreich mit der Defizitwirtschaft der Familienausgleichskassen hat machen müssen, nicht gerade so, daß sie zu einer Nachahmung des dortigen Systems ermutigen könnten. Die Sécurité Sociale fällt nämlich mit etwa 10 v. H. ihrer Leistungen der Staatskasse zur Last. – Andererseits haben wir allen Anlaß, das (leider ziemlich unübersichtliche) System der sozialen Hilfeleistungen in Frankreich zu studieren, weil nach dem Schuman-Plan eine allmähliche Angleichung der sozialen Lasten und Leistungen für die an der Montan-Union beteiligten Volkswirtschaften vorgesehen ist, und zwar eine Angleichung "an das Land mit dem höchsten sozialen Standard". Angleichende Maßnahmen werden bei fortschreitender wirtschaftlicher und politischer Integration Europas gewiß unumgänglich sein. Schon deshalb ist es also geboten, sich mit den einschlägigen Verhältnissen im Nachbarland vertraut zu machen.